Weise mir, Herr, deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen

Psalm 27,11 (Auslegung Jahreslosung 2003
-  Paul und Elke Weiss)

Elke Weiss: "Weise mir, Herr, deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen" "Eine fromme Bitte!", war mein erster Gedanke, als ich die neue Jahreslosung der Brüdergemeinde hörte ? eigentlich lässt sich dazu nicht mehr viel sagen als ein bekräftigendes"Amen"! Die Wege des Herrn ? ja wir fragen nach dem Weg Gottes für uns selbst, für unsere Gemeinde ? und auf ebener Bahn wollen wir doch auch geleitet werden! David, König von Israel, von Gott als König eingesetzt und von Samuel gesalbt, bittet Gott um Leitung und Weisung. Eine demütige Haltung, er weiß, obwohl er König ist, braucht er Gottes Rat und Hilfe. David muss Entscheidungen treffen, er muss handeln, er hat Feinde, die ihn gerne gestürzt sehen wollen. David hat Berater und Freunde, aber wessen Rat soll er annehmen? Welches ist der richtige Weg ?, z.B. in der Situation, als sein Feind, König Saul, der ihn verfolgt um ihn zu töten, in derselben Höhle schläft, in der auch David und seine Männer sich verborgen halten. Jetzt wäre doch für David die Gelegenheit, Saul zu töten, seinen Todfeind los zu werden. Dann wäre doch der Weg frei und geebnet, um das ergreifen zu können, was Gott ihm schon lange gegeben hat: König über Israel zu sein. David stellte in dieser Situation seine eigenen Wünsche und Ziele zurück. Er fragt Gott nach dessen Wegweisung. Er möchte nicht auf die schiefe Bahn kommen. Er möchte den ebenen, den ehrlichen Weg Gottes geführt werden. Er anerkennt, dass Gottes Gedanken höher sind als seine eigenen. Nicht immer ist es David gelungen, sich von Gott den ebenen Weg führen zu lassen. Ich denke da an die ehebrecherische Geschichte mit Bathseba und daran, dass er ihren Mann Uria so hinterhältig in den Tod schickte. Es war eine Geschichte, die nur Leid und Tod über seine Familie und sein Volk brachte. David, Glaubensvorbild, aber auch einfach nur Mensch, der uns ähnelt, der eigene Wünsche und Ziele hat, der sich den einfachen Weg wünscht: keine Stolpersteine, keine großen Anstrengungen und Widerstände, keine Verzichte. Jesus sagt von sich: "Ich bin der Weg!" ?und Viele folgten ihm nach auf seinem Weg: gesäumt von Wundern und Erfolgen. Bis zu dem Moment, als Jesus von seinem Weg ans Kreuz sprach. Da wendeten sich viele ab und Jesus fragte seine Jünger: "Wollt ihr auch gehen?" Sein Weg führte ihn ans Kreuz, die Verlassenheit von Menschen und Gott durchs Grab zur Auferstehung, zum Vater. War das ein gerader Weg, so wie wir ihn uns vorstellen? Und doch hielten ihn weder seine Jünger noch der Satan auf, diesen Weg geradewegs zu gehen. Lasst uns Gott nicht vor den Karren unserer eigenen Wünsche spannen, um unsere Ziele zu erreichen. Lasst uns Gott grenzenlos vertrauen! Seiner Liebe, seiner Weisheit, seiner Kraft, seiner Fürsorge und Leitung. Auch wenn nicht immer alles so eben läuft, wie wir es uns wünschen.

Paul Weiss: "Herr, weise mir deinen Weg!"; ?sofort als ich am Silvesterabend diese Worte hörte, war ich zurückerinnert an meine erste Schifreizeit vom Evangelischen Jugendwerk, die ich Anfang 1976, also vor genau 27 Jahren im Berner Oberland miterleben durfte. Damals standen diese Worte über der Freizeit und waren ausgewählt worden, weil sie über dem ganzen Jahr 1976 standen als Jahreslos der Evangelischen Kirche in Deutschland. Beim Nachschauen zuhause bemerkte ich dann, dass es 2 Textstellen in den Psalmen gibt, in der das Gleiche ausgedrückt wird. Die Jahreslosung damals war aus Psalm 86 entnommen worden, unser diesjähriges Jahreslos stammt aus Psalm 27. Beide Worte stammen von David. Bis zum heutigen Tag hängt eine inzwischen vergilbte Karte mit dieser Losung in meiner Werkstatt. Ich habe diese Karte aufgehoben, weil sie den Beginn meines persönlichen bewussten Glaubenslebens markierte. Ich war damals durch gute Schulfreunde zu dieser Freizeit gekommen, die an ihrem Heimatort durch eine intensive Jugendarbeit schon früher als ich zu einem selbständigen Glauben an Jesus gefunden hatten. An meinem Heimatort gab es damals praktisch überhaupt keine christliche Jugendarbeit. Auf dieser Freizeit habe ich zum ersten Mal erlebt, wie Christen in einer Gebetsgemeinschaft miteinander beten und ich erinnere mich daran, wie ich damals schüchtern und unsicher, aber doch ernsthaft genau dieses Wort der Jahreslosung gebetet habe: "Weise mir Herr, deinen Weg!" Wenn ich mich recht entsinne, habe ich dieses Gebet nicht bewusst, wie ich es heute verstehen würde, als Lebensübergabe gebetet, aber mir war damals schon klar, dass Gottes Gedanken über meinem Leben bestimmt besser sind als eigene Pläne und Vorstellungen. Wenn ich nun die 27 Jahre, die seither vergangen sind, noch einmal vor mir ablaufen lasse, dann kann ich nur sagen, dass es segensreiche Jahre waren und ich nur dankbar sein kann, wie alles kam: Schule und Schulabschluss, unterstützt von guten Freunden; Zivildienst bei geistig behinderten Menschen und gleichzeitige Berufsorientierung in Richtung Sonderschullehrer, Studium und anschließende Eheschließung mit Elke, 4 Kinder, mit denen wir im eigenen Haus leben können; einen Beruf haben, der immer noch Spaß macht, nette Kollegen; in einer lebendigen Gemeinde mitarbeiten können. Man könnte die Liste von Dankesgründen noch weiter fortsetzten.

Warum sage ich das alles? Aus der persönlichen Erfahrung weiß ich, dass Gott meine damalige Bitte, dass er mir seinen Weg weisen möge, überreich erhört hat und dass ich damit Grund genug habe für die Zuversicht, dass er das auch in Zukunft tun wird. Und wenn ich als einzelner Mensch die Erhörung nach Wegweisung erlebt habe, dann gilt das wahrscheinlich in noch höherem Maße für eine Gemeinde von Glaubenden, die sich nach Gottes Wegweisung ausstreckt. Bestimmt war es auch ein mitunter banges Beten unserer Gemeindeleitung was die Wegweisung bezüglich des neuen Gemeindehauses anbelangte. Heute können wir dankbar sagen, dass der Herr diesen Weg gesegnet hat. Der Herr wird auch weiterhin uns segnen, wo wir uns nach seinem Weg ausstrecken. Oft liegt sein Weg nicht klar und offen zutage und wir müssen gemeinschaftlich darum ringen, seinen Weg zu erkennen. Da ist zum Beispiel die Frage, wie seine Gedanken und sein Weg aussehen zum Thema Jugendarbeit in unserer Gemeinde und die Anstellung einer hauptamtlichen Kraft. Wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, dann muss ich sagen, dass mir an meinem Heimatort etwas gefehlt hat und dass ich ohne die Wegweisung durch Mitarbeiter in der Jugendarbeit, die ich außerhalb fand, nicht da stehen würde, wo ich heute stehe.

Die Bitte um Wegweisung ist oft mit einem Wagnis verbunden, bestimmte Schritte dann auch zu tun und oft sieht man Ergebnis und Frucht erst nach langer Zeit, vor allem, wenn man bedenkt, dass Gott wahrscheinlich oft eine andere Kosten-Nutzen-Rechnung hat als wir.

 

 

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