Der HERR segne dich und behüte dich.

4. Mose 6, 24 (Auslegung Jahreslosung 2002 - Jörg Kratzat)

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Kennen Sie das auch? Am Ende eines Gottesdienstes warte, ja erwarte ich förmlich den Segen. Würde er nicht gegeben, würde etwas fehlen - jedenfalls mir. Verlasse ich den Gottesdienst dann... ja, was ist dann eigentlich? Fühlen tue ich nichts besonderes! Auch passieren tut meist nichts "sichtbares". Der zugesprochene Segen ist nichts magisches - wohl aber etwas geheimnisvolles. 1. Was ist: Segen? Segen, was heißt das eigentlich: Im Herkunftswörterbuch steht: Segen: "Zeichen des Kreuzes, Segensspruch, Gnade". Segnen: "Das Zeichen des Kreuzes machen. Bekreuzigen. Mit einem Zeichen versehen, (be)zeichnen, siegeln, versiegeln." Daher auch die typische Handbewegung des Predigers. Segen ist mit dem Kreuz also mit Jesus CHRISTUS, dem Kreuzestod und der Auferstehungskraft eng verbunden. Hartmut Stropahl, ein bekannter Prediger aus Schleswig-Holstein, beschrieb den Segen mit folgendem Bild: Sich unter den Heilsamen Einfluss des Kreuzes stellen. Segen bedeutet nicht, das uns etwas "hinterher fliegt" - Segen bedeutet, dass ich mich aufmache und unter das Kreuz stelle. Das ich mich selber unter den Herrschaftsbereich von JESUS CHRISTUS stelle. Dieses setzt eine Beziehung und eine Verbindung zu Jesus Christus unserem Herrn voraus. Beim Segnen geht es also um Gott und um seinen Einfluss auf mich. Sich unter dem Einfluss des Königs zu stellen, bedeutet sein Zeichen zu tragen und so dann auch von ihm beschützt zu werden. "Der Herr segne und behüte dich". Segen und Schutz liegen dicht beieinander. So wie z.B. römische Bürger besondere Rechte hatten und den besonderen Schutz des Kaisers, seiner Statthalter und seiner Soldaten genossen - und das auch in fernen Ländern. In den Segensworten, die uns am Ende eines Gottesdienstes zugesprochen werden, wird uns Gottes uneingeschränkte, verlässliche Gegenwart zugesprochen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, das Gott in der Formulierung sehr anschauliche Bilder gewählt hat: Er lasse sein Angesicht über dir leuchten. Er hebe sein Angesicht auf dich. Das heißt: Gottes Gesicht ist uns zugewandt und das mit strahlenden Augen.

2. Wer braucht den Segen? Segen zu empfangen benötigt eigentlich nur der, der sich bewusst wird, das er Heil nötig hat - das er Gottes Schutz nötig hat. Also der Unheile, der Kranke, der Sünder, der Schwache, der Unfreie. Wer fühlt sich unter diese Kategorie denn schon angesprochen? Sind wir nicht stolz auf unsere Selbständigkeit, Leistungsfähigkeit, Kompetenz - auf unsere Unabhängigkeit? Wussten Sie, das der Segen eine ganz lange Geschichte hat? Segen können wir nur verstehen, wenn wir die Geschichten der vorderen Zeiten anschauen. Die Schöpfung ist durch Gottes Wort geworden und Gott segnete seine Schöpfung: seid fruchtbar und mehret euch. Es ist kein Leben ohne Segen möglich. Das die Schöpfung lebt, wächst und gedeiht - und dieses immer wieder von neuem - ist Auswirkung von Gottes Segen - von seinem segnen.

Seit dem Sündenfall liegt ein Fluch auf der Schöpfung. Der Acker und die Geschöpfe unterliegen der Vergänglichkeit. Tod und Krankheit, Dornen und Disteln bei der Arbeit, sind Zeugen von diesem Fluch. Nur auf diesem Hintergrund können wir die große Bedeutung des Segens ermessen!

Erst in Jesus CHRISTUS ist der Fluch für uns aufgehoben. Er ist am Kreuz, dass man auch das "Fluchholz" nennt, für uns gestorben und dann auferstanden. Er hat diesen Fluch für uns überwunden - der Fluch der uns von Gott trennt. Der Fluch der uns von der lebensspendenden Gegenwart Gottes trennt.

Hier ist es wichtig, deutlich zu machen, dass dieser Fluch nur für den aufgehoben ist, der Jesus CHRISTUS als Herrn angenommen hat. So ist jeder, (JEDER!) darauf angewiesen und dazu eingeladen diesen Segen zu ergreifen. Und wir haben den Auftrag, dieses bekannt zu machen, diese frohe Botschaft unter die Leute zu bringen.

Damit ist die Frage beantwortet: Wer braucht den Segen? - Jeder braucht den Segen. Gott schenkt uns an dieser Stelle eine unsagbare Freiheit - die Freiheit diesen Segen zu empfangen oder zu ignorieren. Jesus Christus gibt uns die freie Wahl zu entscheiden, ob wir uns zu den Kranken zählen oder zu den Gesunden und den Gerechten. Jesus spricht: "Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten. " (Lk. 5, 31+32) Wofür haben wir uns entschieden? Für die Maske der Gesundheit, für die Maske der Gerechtigkeit oder für die Bankrotterklärung: Herr ich brauche dich - heile du mich. Du bist mein Heiland. Diese Entscheidungsfreiheit bedeutet, dass ich mich auf den Weg machen muss, um den Segen zu empfangen, mich dem heilsamen Einfluss des Kreuzes auszusetzen.

3. Was bewirkt Segen? I. Ich erinnere nochmals an die Segensformulierung: Segen ist der heilsame Einfluss des Kreuzes. Segen macht mich heil. Die Beziehung zu Gott wird wieder heil. In Jesus ist das Angesicht des Vaters liebevoll und strahlend auf uns gerichtet. Gott heilt tatsächlich auch Verletzungen und erlöst aus Bindungen der Schuld. Der Segen ist ein Einflussraum, ein Handlungsraum Gottes. Hier kann er an und mit uns handeln. Hier können wir uns verändern - so verändern, dass wir Jesus CHRISTUS ganz konkret nachfolgen und ihm somit gefallen. Das wird nicht ohne Auswirkungen bleiben. Gott sagt in Sach. 8,13 ¥ "Ich will euch erlösen, damit ihr ein Segen seid, fürchtet euch nicht und stärkt eure Hände." II. Wer gesegnet ist, wird selber zum Segen. Wer zu Jesus gehört, ist mit seinem Geist beschenkt, die Bibel sagt, er lebt in uns. Unser Leben wird also zum Ort der Gegenwart Gottes. Das verändert so manches, ich gewinne eine neue Sicht für die Welt um mich her. Für die vielen Dinge, von denen wir im Alltag in Beschlag genommen werden z.B. vom Zeitgeist, aktuell der Globalisierungswelle, den gesellschaftlichen Normen, der Gewinnmaximierung, Konsum und Konsumzwang, dem vermeindlichen Lebensmotto: jung, schön, sportlich und Befriedigung sofort etc. Es bleibt nicht bei dieser neuen Sicht, ich werde selbst aktiv, indem ich Gottes Segen in diese Welt hineinspreche und natürlich auch durch verändertes Verhalten konkret werden lasse. Bei so einer Flut oder Überflutung von Seiten der Welt, ist es für mich immer wieder wichtig mich neu zu orientieren. Daher ist für mich die Stille Zeit, die Gebete über den Tag verteilt, der Dank an Gott zwischendurch und das Lesen in der Bibel wichtige Eckpunkte in meinem Leben geworden. Der Segen hat so ganz viel auch mit meinem Lebensraum, mit meinem Alltag zu tun. Der Segen und die konkrete Verbindung zu Gott ist so fester Bestandteil meines Terminkalenders. III. Dadurch gewinne ich auch eine neue Sicht für die Menschen um mich her. Es gibt z.B. keine hoffnungslosen Situationen mehr. Im segnenden Gebet kann ich den anderen nicht nur in den heilsamen Einfluss des Kreuzes Jesu bringen, sondern auch in den Machtbereich seiner Auferstehung. Das macht selbst bei meinen Feinden nicht halt. Jesus sagt in der Bergpredigt Mt. 5, 44: "Liebt eure Feinde, segnet die euch fluchen; tut wohl denen die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel erweist." Und Paulus schreibt: Röm. 12, 14: "Segnet die euch verfolgen; segnet und fluchet nicht." Segen empfangen und weitergeben sind somit untrennbar miteinander verbunden.

Stellen Sie sich den Menschen vor, der Ihnen gegenüber feindselige Gefühle hegt. Oder den, dem gegenüber Sie negativ eingestellt sind - das kann ja sogar auch manchmal der eigene Partner sein. Was passiert, wenn Sie diesen Menschen segnen, d.h. ja ihn samt dem Problem unter das Kreuz und damit in den Bereich Gottes uneingeschränkter Möglichkeiten bringen?! D.h. Segen verändert Beziehungen.

Bei Jesus wird allerdings auch deutlich, dass diese neuen Verhaltensweisen nicht nur Möglichkeiten sind, sondern ein klarer Auftrag an uns. Man kann sich den Segen nicht einfach einhaimsen - den Schöpfungssegen schon, aber der Heilssegen in Jesus ist daran gekoppelt, dass ich mich ihm unterwerfe, dass ich ihm gehorche. Das drückt sich konkret in der Nachfolge Jesus aus, z.B. in der erwähnten Feindesliebe.

SCHLUßWORT: Am Schluss möchte ich nochmals aufgreifen, dass diese Worte des Segens von Gott formulierte vorgegebene Worte sind. "So sollt ihr zu den Kindern Israel sagen, wenn ihr sie segnet:" (4.Mose 6, 23). Diesen Segen können wir als Botschaft mit aus dem Gottesdienst nehmen. Diesen Segen können wir uns draußen zusprechen, auch in der Woche den Nachbarn, Chef, Kollegen etc. zusprechen oder sie auch im Gebet segnen. Unseren Kindern können wir vor dem Schlafengehen und vor der Schule diesen Segen zusprechen. Ebenso unseren Partnern vor der Arbeit bzw. vor dem Tagesbeginn. Die Segenshandlung - das Zeichen des Kreuzes machen - ist für mich ein wunderschönes Bild. Im Erheben der Hände beim Segnen oder Auflegen der Hände z.B. beim Familiesegen stehen unsere kleinen Hände für Gottes große Hände, in denen wir geborgen sind - in denen und unter denen wir Schutzraum haben - durch die wir gesegnet sind.

Jörg W. Kratzat

 

 

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