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Einsamkeit im Advent
Und Gott der HErr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. Da ließ Gott der HErr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen; Und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloss deren Stelle mit Fleisch. Und Gott der HErr baute aus der Rippe, die er dem Menschen genommen hatte ein Weib und brachte sie zu ihm. (1. Mose 2, 18, 21 +22)
In dem schönen alten Adventslied "Leise rieselt der Schnee" kommt die Zeile vor: ..."In den Herzen wird` s warm...". Draußen wird es jeden Tag etwas kälter und damit meine ich nicht nur die Außentemperaturen. Viele leiden jetzt unter Einsamkeit und werden mit ihren Ängsten nicht fertig. Hochsaison für Depressionen und Selbstmorde. Einsamkeit ist übrigens einer der häufigsten Gründe für Alkoholmissbrauch. Wollen wir deshalb über Einsamkeit und das uralte Schriftwort von der Erschaffung der ersten Frau, Eva, nachdenken. Ich greife 3 Dinge heraus:
* Alleinsein ist nicht gut. * Eine Rippe muss raus. * Gott beseitigt Einsamkeit.
Teil 1: Alleinsein ist nicht gut. Alleinsein ist nicht gut für den Menschen. Vielleicht widerspricht jemand im Stillen und behauptet jetzt genau das Gegenteil. Wenn man sich das Zusammenleben unserer Mitmenschen so betrachtet, im Kleinen wie im Großen, dann scheint es ja wirklich vorteilhafter zu sein, um sich herum eine hohe Mauer zu errichten, einen Panzer, um niemanden mehr an sich heranzulassen. Die Bibel sagt etwas anderes. Als Gott mit seiner Schöpfung fertig war, fand er, alles sei sehr gut. Adams Einsamkeit fand er nicht gut und nun nahm Gott eine kleine Änderung, eine Korrektur an dem Menschen vor vor.
Eine Rippe musste raus, damit Adam nicht mehr allein und einsam war. Stellen Sie sich vor, ein Arzt müsste Ihnen eine Rippe herausoperieren. Eine schmerzhafte Angelegenheit nicht wahr? Da fließt Blut. Sehen Sie, Gott ist barmherzig. In der Bibel steht:
"Da ließ Gott der HErr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen. Und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloss deren Stelle mit Fleisch." Adams Einsamkeit war nicht gut. Um daran jedoch etwas zu ändern, musste Adam etwas von sich hergeben. Eine Rippe als Preis gegen die Einsamkeit. Seltsam, was uns die Bibel da so zumutet - nicht?
Die Vereinsamung des Menschen ist eine der größten Widersprüchlichkeiten unseres Zeitalters. Wir bauen Wolkenkratzer und der Mensch fühlt sich darin einsam. Mit Telefon, Fax, Fernsehen oder Internet können wir in sekundenschnelle Kontakte zu Menschen rund um den Globus herstellen und der Mensch fühlt sich trotzdem krank vor Einsamkeit. Irgendetwas läuft da schief. Was machen wir falsch? Es muss doch eine Erklärung dafür geben, dass sich heute so furchtbar viele Menschen verlassen fühlen, krank sind vor Einsamkeit. Ich glaube, dass uns unser Text dazu eine hilfreiche Erklärung gibt.
Teil 2: * Eine Rippe muss raus. Gott versetzte Adam in einen tiefen Schlaf. Gönnen wir uns einfach mal etwas Ruhe. Aber können wir Ruhe auch aushalten? Uns, so wie wir sind, in Ruhe ertragen? Oder sind wir auf der Flucht? Ein Psychotherapeut schrieb dazu folgendes:
"Es ist so! Sucht ist Flucht vor Verantwortung, Wahrheit, aber auch Angst, letztlich Vernichtungsangst. Wenn ich die Antwort in der Verantwortung nicht finde, dann bin ich Versager, meine ich zumindest. So krass klingt das in unserem Innern. Wenn ich die Wahrheit über mich akzeptiere, dann bin ich ungeliebt, auch die Fassade bricht noch ab, ja und dann?
Besser "fassadär" als Ichverlust. Ein ähnlicher Zustand, wie kurz vor dem Einschlafen, wenn sich Realität und Dämmerung vermischt zu einer Vorbereitung der Ichreduktion bis hin zum Schlaf, und einige können deshalb nicht schlafen".
Ich sehe jetzt vor mir hetzende, jagende Leute. Keine Zeit, keine Zeit. Einladung: "Kommen sie doch in den nächsten Gottesdienst". Antwort: "Gerne, aber im Augenblick habe ich leider keine Zeit."
Da inseriert eine einsame Frau in der Zeitung. Sie sucht einen Partner. Endlich scheint der Richtige gefunden zu sein. Eine zeitlang geht es ganz gut. Dann die Enttäuschung. Trennung, Tränen und Katzenjammer. Wenn man fragt: "Woran lag es denn?" - hört man:
"Er wollte so, ich wollte anders", oder: "dann hätte er hiermit und damit aufhören müssen", oder: "ich war nicht dazu bereit, dieses und jenes aufzugeben". Merken Sie was? Bloß nichts von sich hergeben. Zusammenleben ja, aber bitte zu meinen Bedingungen und nicht zu dicht, man braucht ja schließlich persönliche Freiräume.
Gott? Ja, den gibt es. Aber bitte zu meinen Bedingungen und nicht zu dicht. Man braucht ja schließlich persönliche Freiräume. Die Sache mit Gott überlässt man besser dem Pfarrer oder Pastor. Der wird dafür schließlich bezahlt.
Ja, wir haben alle mehr oder weniger Enttäuschungen erlebt, vor allem mit Menschen, die uns sehr nahe waren. Und um das zu vermeiden, haben wir uns Schutzmechanismen geschaffen, Mauern um uns errichtet, damit uns niemand zu nahe kommt, einen Charakterpanzer, damit uns niemand mehr verletzen kann, nach dem Motto: "Wie es drinnen wirklich aussieht, geht niemanden etwas an."
Eine enttäuschte Frau sagte: "Solange ich liebte, bin ich immer wieder enttäuscht und verletzt worden. Also lasse ich dieses Gefühl 'Liebe' nicht mehr zu", dann kann ich wenigstens nicht mehr enttäuscht werden", und setzt noch einen drauf: "Hass ist meine Art mich zu schützen." Hinter diesen Mauern ist scheinbar nur noch Kälte und Einsamkeit und doch gleichzeitig so viel Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit.
Bis zu einem gewissen Punkt ist Abgrenzung sinnvoll und nötig. Die Rippen bilden über unserem Brustkorb eine Schutzmauer. Wie ein Brustpanzer schützen sie Herz und Lunge. Wenn die Mauer um unsere Seele jedoch zu hoch, der Panzer zu dicht wird, dann können wir uns vielleicht sicherer fühlen. Der Preis für diese Sicherheit ist aber immer Einsamkeit.
Teil 3: * Gott beseitigt Einsamkeit. Wenn wir raus möchten aus der Kälte, Schluss machen wollen mit unserer Einsamkeit, dann geht das nicht, ohne dass wir etwas von uns hergeben. Dazu drei konkrete Anregungen:
* Gefühle zulassen und mitteilen.
* Nähe nicht nur suchen, sondern sie selber herstellen.
* Verletzungen unseres Gewissens nicht verdrängen, sondern durch Gespräche verarbeiten und ausheilen.
Gott beseitigt Einsamkeit durch seine Liebe. Kein Mensch lebt, ohne Unrecht gegen Gott zu tun. Und dieses Unrecht, die Bibel nennt es Sünde, ist die Mauer, die uns von Gott trennt. So leben wir in unseren dunklen Lebensumständen mit einem verletzten Gewissen und sind furchtbar alleine damit.
Gottes Antwort darauf ist immer dieselbe: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei." Adam musste eine Rippe hergeben, um nicht mehr alleine zu sein und Gott sorgte sogar dafür, dass dem Adam dieses "kleine" Opfer nicht einmal schmerzte.
Gott, unser Schöpfer, gab mehr als nur eine Rippe von sich her, damit die Sache zwischen ihm und uns in Ordnung kommt und wir "lieber Vater" zu ihm sagen können. Er opferte seinen Sohn - gewissermaßen sich selbst. Jesus wurde uns Bruder, in einer blutigen Hinrichtung am Kreuz. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. So hat ER die trennende Mauer eingerissen.
Wollen wir doch auch unsere Mauer einreißen oder wenigstens einige besonders große Steine daraus hergeben und sehen, ob uns dann nicht etwas wärmer wird.
Gebet: Lieber Vater im Himmel. Hier sind Menschen die nicht wissen wie es weitergehen soll. Nun gib uns bitte heute Abend klare und deutliche Antworten, wie es weitergehen kann und was wir anders machen müssen. Amen.
M. S. - Andacht / Dezember 2001
Herr Michael Steinbach aus Berlin hielt sich ab dem 2. Juli 2001 für 3 Monate im Fachkrankenhaus Ringgenhofklinik zu einer Langzeittherapie für Alkoholabhängige auf.
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