Was ist Seelsorge? Seelsorge und Priestertum aller Gläubigen
Wolfgang Link



Seit einiger Zeit beschäftigen den Brüdergemeinderat Fragen der Seelsorge und Lebenshilfe in unserer Gemeinde.

Martin Luther bewegte in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ den Text aus 1. Petrus 2,9, in dem es heißt:
„Ihr aber seid das auserwählte Ge-schlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“

Christen sind Menschen, die Gottes Liebe weitergeben und Gott für andere Menschen bitten.

Philipp Jacob Spener, evangelischer Theologe, schrieb in seiner Pia Desideria vom Priestertum aller Gläubigen: „Alle Christen sind zu Priestern berufen und für sich und ihre Umgebung verantwortlich.“

Den Gründern unserer Gemeinde war es wichtig, dies in äußeren Formen wie z.B. dem Abendmahl, das einer dem anderen reicht und dabei in der Stille im Gebet für seinen Nachbarn eintritt, zum Ausdruck zu bringen. Die Mitverantwortung für den Nächsten soll sich im täglichen Umgang in der Gemeinde fortsetzen.

Wie führe ich ein seelsorgerliches Gespräch?

Im Johannes-Evangelium im 4. Kapitel können wir bei Jesus lernen, wie man ein seelsorgerliches Gespräch führt. Das Ziel aller seelsorgerlichen Bemühungen steht in Vers 42: „Wir haben geglaubt und erkannt, dieser ist wahrlich der Welt Heiland.“

Jesus zog durch Samarien, ein Land, das von den damaligen Frommen verachtet wurde. Jesus kam mit seinen Jüngern in der Mittagshitze an den Jakobsbrunnen. Es quälten ihn Hunger und Durst. Er war angefochten über dem Zustand dieses Landes. Jesus ließ sich am Brunnenrand nieder.
Da kam eine Frau, um Wasser zu schöpfen. Ihre Persönlichkeit drückte aus, was sie lebte. Nun sollten wir darauf achten, was Jesus sprach: „Gib mir zu trinken.“

1. Seelsorgerliche Gespräche können an jedem Ort stattfinden, unabhängig vom Befinden des Seelsorgers. Wir wollen als Gemeinde „Brunnenrand“ sein.

2. Seelsorgerliche Gespräche beginnen mit Beziehungsaufbau. Mit seiner Bitte stellte Jesus alle Unterschiede zur Seite. Er begab sich auf die Ebene dieser Frau.

3. Sie wagt ein offenes Gespräch mit dem Hinweis auf die Hierarchie:
· keine Gemeinschaft der Juden mit Nichtjuden,
· kein Gespräch zwischen Mann und Frau.

4. Hinführung zur Erkenntnis Gottes und Jesu:

Jesus: „Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser.“
Frau: „Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest.“
Durch die Wertschätzung Jesu öffnet sie sich und läßt sich auf ein Gespräch ein. Sie ahnt, dass sie es nicht mit irgendjemand zu tun hat: „Bist du mehr als unser Vater Jakob?“
Einfühlsam führt Jesus das Gespräch richtungweisend: „Das Wasser, das ich gebe, ist eine Quelle ewigen Lebens.“
Echtheit führt zu Vertrauen. Jetzt kann Jesus die Not der Frau ansprechen: „Rufe deinen Mann.“
Frau: „Ich habe keinen Mann.“
Jesus: „Du hast recht geantwortet. 5 Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“
Frau: „Ich sehe, du bist ein Prophet.“
Sie erkennt und möchte zu Gott kommen. Jesus führt sie dahin, dass er ihr erklären kann, dass er selbst der Messias ist, den sie erwartet.

5. Die Frau ist so berührt, dass sie in ihr Dorf eilt und allen Leuten von ihrer Begegnung mit Jesus berichtet. Die Menschen kommen zu Jesus an den Jakobsbrunnen und sehen ihn selbst und kommen zum Glauben an ihn.

6. Seelsorge heißt:
· vom Seelsorger wegführen auf Jesus hin
· Seelsorge führt zur Verantwortung für andere,
· Seelsorge führt zur Heilung durch den Heiland,
· Seelsorge führt zu einem missionarischen Handeln,
· Seelsorger bedürfen ebenfalls der Seelsorge.

7. Auswirkung von Seelsorge:
Es glaubten aber viele, um des Zeugnisses der Frau willen. Es glaubten noch mehr um des Wortes willen: „Wir haben geglaubt und erkannt, dieser ist wahrlich der Welt Heiland.“
Möge unser Herr uns als Gemeindeglieder zum Segen setzen für Menschen, die Hilfe brauchen.


Wolfgang Link

  

 

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