Das Wort Lust beinhaltet so viele positive Assoziationen,
dass kaum jemand an seine negativen Seiten denken mag. Beim Wort Frust ist
es genau umgekehrt – kaum jemand sieht die positiven Aspekte. Was könnte
das sein? Die Vorfreude, wenn nach dem Frust wieder eine Freudephase
erwächst. Frust wahrgenommen als ein wichtiger Scheidepunkt. Jeder Moment
bietet die Chance, etwas in unserem Leben zu verändern. Frust ist
unangenehm und lässt uns innehalten, aufhorchen .und fordert uns somit
heraus neue Wege zu wagen – aus dem Partnertrott auszusteigen und wieder
Leben und neue Ziele in die Partnerschaft hineinzubringen. Wer Frust nur
negativ erlebt, lässt die Chance ungenutzt und entscheidet sich somit,
möglichst schnell den alten Zustand wieder herzustellen und weiter
unzufrieden zu sein und weiter zu leiden.
Allerdings gibt es auch manche Frust-Fallen, die aus reiner
Unwissenheit entstehen.
Frust entsteht aus einer Erwartung heraus
Wir haben so unsere Vorstellungen von unserem Partner, vom
Zusammenleben mit ihm und in der Familie, von Dingen und Menschen. Diese
Vorstellungen gleichen nicht selten Illusionen: Wir „denken“ uns unser
Leben – leben es aber nicht in der Beziehung zum Anderen. Kennt der
Partner z.B. unsere Gedanken, Vorstellungen und Erwartungen, kennen wir
seine?
Wir wünschen uns unbewusst, dass unsere Erwartungen 100 %
erfüllt werden– dann erleben wir Freude und Zufriedenheit. Werden die
Erwartungen aber nicht ganz erfüllt, so kommt es zu einer Enttäuschung. Je
nach Frustrationstoleranz erzeugt die Enttäuschung mehr oder weniger
Frust, sie zeigt uns allzu deutlich den Unterschied zwischen unseren
Illusionen und der Realität (z.B. im Bereich der Sexualität,
Kommunikation, Umgang mit Geld etc.). Aber auch End-Täuschungen haben
etwas sehr positives: sie sind das Ende einer Täuschung. Nun besteht die
Chance, sich zu korrigieren oder – sich frustriert zurückzuziehen, zu
schmollen und Schwarzer-Peter zu spielen: die anderen sind Schuld, dass es
mir so schlecht geht. Merken Sie? Wir selber haben einen Einfluss auf Lust
oder Frust in unserem Leben.
Rollenverteilung
Ich meine jetzt nicht Masken und Rollen, die wir uns
aneignen, um uns dahinter zu verstecken. Es gibt verschiedene Rollen, in
denen sich ein jeder von uns befindet: Da bin ich Geschöpf – als
Gegenüber von meinem Schöpfer. Ich bin Partner – als Gegenüber von
meiner Partnerin und Anderen. Da ist meine Rolle als Vater und
Mutter in der Familie. Die Rolle beim Arbeitsplatz – in der Freizeit
etc. Je klarer ich mich für diese einzelnen „Rollen“ entscheide und je
besser ich mir meiner Fähigkeiten und Schwachstellen bewusst werde, desto
mehr habe ich die Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln, Freude zu
erleben und Kompetenzen zu erlangen. Fällt mir diese Rolle zu, ohne dass
ich ein Ja habe, ist Frust und Stress bereits vorprogrammiert. Nur die
Rolle, die ich bewusst einnehme und gestalte, wird Freude wecken und mich
Ziele erreichen lassen.
Seine Rolle entdecken bedeutet sich zu ent-wickeln. Stellen
Sie sich ein Wollknäuel vor, dass abgewickelt = entwickelt wird. So kann
ich den roten Faden in meinem Leben entdecken.
Als Nebenprodukt entdecke ich dann auch die Werte, die mein
Verhalten bestimmen. Nicht selten komme ich dabei auch einer Angst in mir
auf die Spur, z.B. die Angst davor Verlassen zu werden, Kritik zu
bekommen….
Diese bringt mich dazu,, Kompromisse einzugehen,
halbherzige Entscheidungen zu treffen., um Schmerz zu vermeiden. Es ist
nicht leicht, sich diesen Dingen in uns zu stellen, die wir als
„Schwachpunkte“ lieber vertuschen. Aber so werde ich frei, mich zu
entwickeln und mein Leben, meine Partnerschaft mit zu gestalten. Sonst
werden genau diese Schwachpunkte zu Frustfallen.
Aktiver Gestalter werden
Hier
ein paar Tipps:
Die Ungleichheit entdecken
Wir gehören zwar zu der best sexuell aufgeklärten
Generation – wenigstens auf dem Papier. Und doch wissen wir sowenig von
Mann- und Frausein. Wir reduzieren uns auf die „Norm“, die die Medien uns
vorgeben. Vom Marlboro-Mann bis zur Traumfrau oder Putzteufel – alles
drin. Dabei machen doch gerade die Unterschiede das Interessante und
Farbige einer Beziehung aus. Was macht mein Frau-sein eigentlich aus? Bin
ich Frau? Ist es für andere erkennbar? Was macht mein Mann-sein eigentlich
aus? Bin ich ein Mann? Welche Vorbilder habe ich?
Bin ich auch für andere „Vater“ und „Mutter“?
Mein Tipp: Die Bibel einmal als „Gebrauchsanweisung Mensch“
zu lesen!
Anders sein – FREMD SEIN
Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, dass bezieht sich
natürlich auch noch auf andere Bereiche. Eigentlich fasziniert es uns,
wenn jemand mal aus der Rolle fällt und ganz anders ist. Aber es gilt
auch: was uns fremd ist, macht uns zunächst auch Angst. Anziehungspunkte
werden dann zu Reibungspunkten.
Notwendigkeit von Streit und Frust
In einer Radiosendung wies ich auf die Wichtigkeit von
Streit für die Entwicklung einer Freundschaft hin. Eine junge Frau rief an
und stellte dagegen, dass sie sich mit ihrer besten Freundin noch nie
gestritten habe. Streit sei doch nicht wichtig.
Schön, ich will ja keine Probleme schaffen, wo man sie
nicht sieht. Aber wer nicht streitet, kann keine Streitkultur
entwickeln. Wer Streit vermeidet, weiß am Tag X nicht, wie das geht – eine
Streitspirale und Eskalation oder Flucht ist oft die Folge. Und doch so
unnötig. Streiten lernen – nicht um einen Machtkampf zu gewinnen.
Streiten, um sich und Standpunkte zu entwickeln und den anderen in seinem
Anderssein auszuhalten. Dann gemeinsame Entscheidungen treffen. Das bindet
und festigt die Freundschaft und Partnerschaft.
Wenn jeder Partner auf diese Weise mutig und offensiv Raum
einnimmt in der Partnerschaft, ist auch Raum für Neues. Das bringt im
Alltag, auch wenn keine großen Veränderungen anstehen oder möglich sind,
frischen Wind in Ihre Partnerschaft.
Kommen Sie doch mal aus sich heraus und leben Sie dass, was
ganz tief in Ihnen schlummert. Helfen Sie auch Ihrem Partner neues zu
entdecken. Fangen Sie z.B. mit Humor an. Lachen Sie mal wieder. Um hier
schnelle Fortschritte zu erzielen ein kleiner Tipp: Nehmen Sie sich 14
Tage lang vor, jeden Tag 7 Lächeln zu verschenken. Hört sich unromantisch
an, aber es wirkt. Beobachten Sie die Reaktion!
Anderes Thema: Kennen Sie die erogenen Zonen Ihres
Partners? Nein, ich meine jetzt nicht die Reduktion auf die
Geschlechtsteile. Jeder hat 10 erogene Zonen – entdecken Sie diese doch
einmal gemeinsam – nennen sie die beim Namen.
Entdecken Sie die das Positive in Ihrer Partnerschaft:
Schreiben Sie es sich auf und teilen Sie es Ihrem Partner mit! Da kommt
Lust auf.
Wir brauchen Nähe und Zärtlichkeiten. Wie oft
berühren wir einander, streicheln und umarmen uns? Suchen Sie den
täglichen Körperkontakt zum Partner – wir brauchen es! Seien Sie Dankbar
und äußern Sie es! So kommt Farbe in unser Leben!
Diese scheinbar so kleinen, unbedeutsamen Dinge sind im
Alltag in Wirklichkeit von großer Bedeutung.
Elternkompetenz
Wenn Partner Kinder bekommen, erhöht es oft die
Familienzufriedenheit. Wichtig ist zu Wissen, dass gleichzeitig die
Paarzufriedenheit sehr leidet.
Hinzu kommt, dass Erziehung zu den größten Herausforderungen gehört.
Kinder bereichern unser Leben und sind ein Geschenk des Schöpfers, aber
sie machen auch Sorgen und Stress. Auch da gehören Frust und Lust
zusammen. Man kann Erziehung lernen und sich damit enorme Kompetenzen für
den Alltag aneignen. Starke Eltern haben starke Kinder. Gelingen in der
Erziehung wirkt sich entspannend und positiv in der Partnerschaft aus.
Eltern sehen sich oft unter dem Druck: Wie kann ich für
alle und alles ausreichend Zeit haben? Weniger ist oft mehr! Es muss nicht
immer ein ganzer Tag sein. Heute ist unbestritten, dass 10 Minuten am Tag
konzentriert mit dem Kind verbracht, mehr für eine starke positive
Beziehung sorgt, als lange aber seltene Zeiträume (Vergnügungspark,
Wochenende). Wer sich z.B. für das Begrüßen und Verabschieden 2 Minuten
Zeit nimmt, sein Kind in den Arm nimmt, mit ihm spricht, Blickkontakt
aufnimmt, es segnet, gibt sehr viel, ohne das es ein riesen Zeitaufwand
ist. Dieses Wissen entlastet viele Eltern vor einem schlechten Gewissen
und entkräftet die Aussage: „Du hast zuwenig Zeit…“.
Lebe Deinen Glauben und Deine Werte – schließlich leben die
Kinder das, was sie von uns beobachten. Wenn wir unsere Werte und unseren
Glauben selber nicht kennen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der
Haussegen spätestens bei der Pubertät schräg liegt.
Wann haben Sie sich zum letzten Mal für Fehlverhalten bei
Ihrem Kind entschuldigt? Wer selbst die Vergebung in Jesus Christus kennen
gelernt hat, muss gegenüber seinem Partner und seinen Kindern nicht immer
Recht haben. Schuld eingestehen ist nicht nur eine wichtige
Vorbildfunktion, es zeigt dem Kind auch, dass ich es ernst nehme und es
einen Platz bei mir hat. Ansonsten trage ich zum zweifachen Frust des
Kindes bei.
Diese kleine Zusammenfassung macht deutlich, wie viel
Einfluss wir selbst darauf haben, ob Frust oder Lust in unserem Leben die
Oberhand hat.
Die Jahreslosung der Brüdergemeinde erinnert uns jeden
Gottesdienst daran:
GOTT
selbst ist kein Lustmuffel. „Bittet und ihr werdet nehmen dass Eure Freude
vollkommen sei.“ Joh. 16,24. ER will uns vollkommene Freude schenken.