Lust oder Frust in der Partnerschaft?
… ein ganz normales Thema
von Jörg Kratzat

Das Wort Lust beinhaltet so viele positive Assoziationen, dass kaum jemand an seine negativen Seiten denken mag. Beim Wort Frust ist es genau umgekehrt – kaum jemand sieht die positiven Aspekte. Was könnte das sein? Die Vorfreude, wenn nach dem Frust wieder eine Freudephase erwächst. Frust wahrgenommen als ein wichtiger Scheidepunkt. Jeder Moment bietet die Chance, etwas in unserem Leben zu verändern. Frust ist unangenehm und lässt uns innehalten, aufhorchen .und fordert uns somit heraus neue Wege zu wagen – aus dem Partnertrott auszusteigen und wieder Leben und neue Ziele in die Partnerschaft hineinzubringen. Wer Frust nur negativ erlebt, lässt die Chance ungenutzt und entscheidet sich somit, möglichst schnell den alten Zustand wieder herzustellen und weiter unzufrieden zu sein und weiter zu leiden.

Allerdings gibt es auch manche Frust-Fallen, die aus reiner Unwissenheit entstehen.

Frust entsteht aus einer Erwartung heraus

Wir haben so unsere Vorstellungen von unserem Partner, vom Zusammenleben mit ihm und in der Familie, von Dingen und Menschen. Diese Vorstellungen gleichen nicht selten Illusionen: Wir „denken“ uns unser Leben – leben es aber nicht in der Beziehung zum Anderen. Kennt der Partner z.B. unsere Gedanken, Vorstellungen und Erwartungen, kennen wir seine?

Wir wünschen uns unbewusst, dass unsere Erwartungen 100 % erfüllt werden– dann erleben wir Freude und Zufriedenheit. Werden die Erwartungen aber nicht ganz erfüllt, so kommt es zu einer Enttäuschung. Je nach Frustrationstoleranz erzeugt die Enttäuschung mehr oder weniger Frust, sie zeigt uns allzu deutlich den Unterschied zwischen unseren Illusionen und der Realität (z.B. im Bereich der Sexualität, Kommunikation, Umgang mit Geld etc.). Aber auch End-Täuschungen haben etwas sehr positives: sie sind das Ende einer Täuschung. Nun besteht die Chance, sich zu korrigieren oder – sich frustriert zurückzuziehen, zu schmollen und Schwarzer-Peter zu spielen: die anderen sind Schuld, dass es mir so schlecht geht. Merken Sie? Wir selber haben einen Einfluss auf Lust oder Frust in unserem Leben.

 

Rollenverteilung

Ich meine jetzt nicht Masken und Rollen, die wir uns aneignen, um uns dahinter zu verstecken. Es gibt verschiedene Rollen, in denen sich ein jeder von uns befindet: Da bin ich  Geschöpf – als Gegenüber von meinem Schöpfer. Ich bin Partner – als Gegenüber von meiner Partnerin und Anderen. Da ist meine Rolle als Vater und Mutter in der Familie. Die Rolle beim Arbeitsplatz – in der Freizeit etc. Je klarer ich mich für diese einzelnen „Rollen“ entscheide und je besser ich mir meiner Fähigkeiten und Schwachstellen bewusst werde, desto mehr habe ich die Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln, Freude zu erleben und Kompetenzen zu erlangen. Fällt mir diese Rolle zu, ohne dass ich ein Ja habe, ist Frust und Stress bereits vorprogrammiert. Nur die Rolle, die ich bewusst einnehme und gestalte, wird  Freude wecken und mich Ziele erreichen lassen.

Seine Rolle entdecken bedeutet sich zu ent-wickeln. Stellen Sie sich ein Wollknäuel vor, dass abgewickelt = entwickelt wird. So kann ich den roten Faden in meinem Leben entdecken.

Als Nebenprodukt entdecke ich dann auch die Werte, die mein Verhalten bestimmen. Nicht selten komme ich dabei auch einer Angst in mir auf die Spur, z.B. die Angst davor Verlassen zu werden, Kritik zu bekommen….

Diese bringt mich dazu,, Kompromisse einzugehen, halbherzige Entscheidungen zu treffen., um Schmerz zu vermeiden. Es ist nicht leicht, sich diesen Dingen in uns zu stellen, die wir als „Schwachpunkte“ lieber vertuschen. Aber so werde ich frei, mich zu entwickeln und mein Leben, meine Partnerschaft mit zu gestalten. Sonst werden genau diese Schwachpunkte zu Frustfallen.

Aktiver Gestalter werden

Hier ein paar Tipps:

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Entdecken Sie die Belastungen Ihres Partners – seinen / ihren Stresspunkt und schützen sie einander.

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Verdeutlichen Sie Ihrem Partner in Worten und Gestik Ihre Zuneigung und Liebe.

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Nehmen Sie sich vor, Ihre negativen Emotionen zurückzunehmen. Geraten Sie in Zorn nehmen Sie sich eine „Auszeit“, damit ihr Adrenalin abgebaut werden kann. Mit Adrenalin im Blut ist Frust für den Partner (und letztendlich sich selber) vorprogrammiert.

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Hören Sie zu, wenn Ihr Partner redet. Lassen Sie ihn ausreden. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Zeigen Sei Verständnis und seien Sie offen für neues.

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Nutzen Sie Ihr soziales Netz: Menschen in Ihr Leben mit „einbauen“.

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Gläubige Paare können durch Glaubensleben und Glaubenszuversicht Stärke gewinnen. Lesen Sie gemeinsam in der Bibel und beten Sie zusammen. 

Die Ungleichheit entdecken

Wir gehören zwar zu der best sexuell aufgeklärten Generation – wenigstens auf dem Papier. Und doch wissen wir sowenig von Mann- und Frausein. Wir reduzieren uns auf die „Norm“, die die Medien uns vorgeben. Vom Marlboro-Mann bis zur Traumfrau oder Putzteufel – alles drin. Dabei machen doch gerade die Unterschiede das Interessante und Farbige einer Beziehung aus. Was macht mein Frau-sein eigentlich aus? Bin ich Frau? Ist es für andere erkennbar? Was macht mein Mann-sein eigentlich aus? Bin ich ein Mann? Welche Vorbilder habe ich?

Bin ich auch für andere „Vater“ und „Mutter“?

Mein Tipp: Die Bibel einmal als „Gebrauchsanweisung Mensch“ zu lesen!

 

Anders sein – FREMD SEIN

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, dass bezieht sich natürlich auch noch auf andere Bereiche. Eigentlich fasziniert es uns, wenn jemand mal aus der Rolle fällt und ganz anders ist. Aber es gilt auch: was uns fremd ist, macht uns zunächst auch Angst. Anziehungspunkte werden dann zu Reibungspunkten.

 

Notwendigkeit von Streit und Frust

In einer Radiosendung wies ich auf die Wichtigkeit von Streit für die Entwicklung einer Freundschaft hin. Eine junge Frau rief an und stellte dagegen, dass sie sich mit ihrer besten Freundin noch nie gestritten habe. Streit sei doch nicht wichtig.

Schön, ich will ja keine Probleme schaffen, wo man sie nicht sieht. Aber wer nicht streitet, kann keine Streitkultur entwickeln. Wer Streit vermeidet, weiß am Tag X nicht, wie das geht – eine Streitspirale und Eskalation oder Flucht ist oft die Folge. Und doch so unnötig. Streiten lernen – nicht um einen Machtkampf zu gewinnen. Streiten, um sich und Standpunkte zu entwickeln und den anderen in seinem Anderssein auszuhalten. Dann gemeinsame Entscheidungen treffen. Das bindet und festigt die Freundschaft und Partnerschaft.

Wenn jeder Partner auf diese Weise mutig und offensiv Raum einnimmt in der Partnerschaft, ist auch Raum für Neues. Das bringt im Alltag, auch wenn keine großen Veränderungen anstehen oder möglich sind, frischen Wind in Ihre Partnerschaft.

Kommen Sie doch mal aus sich heraus und leben Sie dass, was ganz tief in Ihnen schlummert. Helfen Sie auch Ihrem Partner neues zu entdecken. Fangen Sie z.B. mit Humor an. Lachen Sie mal wieder. Um hier schnelle Fortschritte zu erzielen ein kleiner Tipp: Nehmen Sie sich 14 Tage lang vor, jeden Tag 7 Lächeln zu verschenken. Hört sich unromantisch an, aber es wirkt. Beobachten Sie die Reaktion!

Anderes Thema: Kennen Sie die erogenen Zonen Ihres Partners? Nein, ich meine jetzt nicht die Reduktion auf die Geschlechtsteile. Jeder hat 10 erogene Zonen – entdecken Sie diese doch einmal gemeinsam – nennen sie die beim Namen.

Entdecken Sie die das Positive in Ihrer Partnerschaft: Schreiben Sie es sich auf und teilen Sie es Ihrem Partner mit! Da kommt Lust auf.

Wir brauchen Nähe und Zärtlichkeiten. Wie oft berühren wir einander, streicheln und umarmen uns? Suchen Sie den täglichen Körperkontakt zum Partner – wir brauchen es! Seien Sie Dankbar und äußern Sie es! So kommt Farbe in unser Leben!

Diese scheinbar so kleinen, unbedeutsamen Dinge sind im Alltag in Wirklichkeit von großer Bedeutung.

 

Elternkompetenz

Wenn Partner Kinder bekommen, erhöht es oft die Familienzufriedenheit. Wichtig ist zu Wissen, dass gleichzeitig die Paarzufriedenheit sehr leidet.
Hinzu kommt, dass Erziehung zu den größten Herausforderungen gehört. Kinder bereichern unser Leben und sind ein Geschenk des Schöpfers, aber sie machen auch Sorgen und Stress. Auch da gehören Frust und Lust zusammen. Man kann Erziehung lernen und sich damit enorme Kompetenzen für den Alltag aneignen. Starke Eltern haben starke Kinder. Gelingen in der Erziehung wirkt sich entspannend und positiv in der Partnerschaft aus.

Eltern sehen sich oft unter dem Druck: Wie kann ich für alle und alles ausreichend Zeit haben? Weniger ist oft mehr! Es muss nicht immer ein ganzer Tag sein. Heute ist unbestritten, dass 10 Minuten am Tag konzentriert mit dem Kind verbracht, mehr für eine starke positive Beziehung sorgt, als lange aber seltene Zeiträume (Vergnügungspark, Wochenende). Wer sich z.B. für das Begrüßen und Verabschieden 2 Minuten Zeit nimmt, sein Kind in den Arm nimmt, mit ihm spricht, Blickkontakt aufnimmt, es segnet, gibt sehr viel, ohne das es ein riesen Zeitaufwand ist. Dieses Wissen entlastet viele Eltern vor einem schlechten Gewissen und entkräftet die Aussage: „Du hast zuwenig Zeit…“.

Lebe Deinen Glauben und Deine Werte – schließlich leben die Kinder das, was sie von uns beobachten. Wenn wir unsere Werte und unseren Glauben selber nicht kennen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Haussegen spätestens bei der Pubertät schräg liegt.

Wann haben Sie sich zum letzten Mal für Fehlverhalten bei Ihrem Kind entschuldigt? Wer selbst die Vergebung in Jesus Christus kennen gelernt hat, muss gegenüber seinem Partner und seinen Kindern nicht immer Recht haben. Schuld eingestehen ist nicht nur eine wichtige Vorbildfunktion, es zeigt dem Kind auch, dass ich es ernst nehme und es einen Platz bei mir hat. Ansonsten trage ich zum zweifachen Frust des Kindes bei.

Diese kleine Zusammenfassung macht deutlich, wie viel Einfluss wir selbst darauf haben, ob Frust oder Lust in unserem Leben die Oberhand hat.

Die Jahreslosung der Brüdergemeinde erinnert uns jeden Gottesdienst daran:

GOTT selbst ist kein Lustmuffel. „Bittet und ihr werdet nehmen dass Eure Freude vollkommen sei.“ Joh. 16,24. ER will uns vollkommene Freude schenken.

 

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