Johannes 1, 11

26. Dezember 2008
Pfr. Heiko Bräuning
Eigentum

Predigttext: Johannes 1, 11

Weihnachten: viele neue Besitztümer. Viel neues Eigentum. Das hier ist neuestes Eigentum von Dominik. Eigentum ist etwas sehr wertvolles. Wenn man zu den Menschen gehört, die Eigentum haben, kann man sich glücklich schätzen. Aber leider fällt es uns je länger je mehr schwerer, noch nachvollziehen zu können, wie wertvoll Eigentum ist. Weil es so selbstverständlich ist. So normal. Gott sei Dank legt Gott nach wie vor großen Wert auf sein Eigentum. Weihnachten hat mit dem Hab und Gut, dem Eigentum Gottes zu tun. „Er kam in sein Eigentum“

Weihnachten ist: Gott kommt in sein Eigentum. Eigentum meint an dieser Stelle zunächst alles: von der Krippe, dem Stall, von Maria über Josef, den Hirten, den Heiligen drei Königen, Augustus, Herodes, Bethlehem, Ägypten, usw. Wirklich alles in dieser Welt und auf dieser Welt und von dieser Welt. So, wie es in Psalm 24, 1 heißt: „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.“ Es meint nichts exklusives, nichts bestimmtes. Meint nicht das Volk Gottes, meint nicht die frommen Juden. Meint die ganze Erde und alles was darinnen ist, und die darauf wohnen. Alles ist durch Christus geschaffen, so sagt es Johannes, so sagt es Paulus. Alles ist sein Eigentum.

1768 drückt es Ignaz Franz so aus:
„Heilig, Herr Gott Zabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! Starker Helfer in der Not, Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm. Alles ist dein Eigentum“

Gott kam in sein Eigentum. Ich hab bisher immer gesagt: Meine Frau – die ist ein Geschenk des Himmels. Nein. Stimmt nicht. Sie ist mir nicht geschenkt. Bei Gott gibt es nichts geschenkt. Meine Frau ist und bleibt Eigentum Gottes.

Meine Kinder: bisher habe ich immer gedacht: oh, Kinder sind eine Gabe Gottes. Psalm 127, 3. Pustekuchen. Ob sie es glauben oder nicht. Im Hebräischen steht hier Kinder sind Nachalat Gottes. Besitz, Eigentum Gottes. Wir haben Teil daran. Teilhabe ist etwas anderes als Eigentum.

Er kam in sein Eigentum. Alles und jeder um uns herum ist Eigentum Gottes. Wie geht man mit fremdem Eigentum um? Unbedacht, unvorsichtig? Verletzend? Erniedrigend? Herablassend. Lieblos? Entwürdigend? Gott hängt an seinem Eigentum. Nicht nur, als sei es sein eigenes, sondern als sei er es selbst. Matthäus 25 klar: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihm mir getan.“

Von Anfang an war es Gott wichtig, sein Eigentum zu schätzen und zu schützen. Deshalb gibt es das wunderbare AT-Eigentumsrecht , um jeglichen Eigentumsdelikten vorzubeugen: „Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden. Du sollst nicht begehren alles, was sein ist.“ Das sind letzten Endes Gottes Eigentumsrechte. Weil alles Gott gehört, weil es sein Eigentum ist, darf sich keiner daran vergreifen.

Weil aber das Eigentum Gottes eigentümlich und eigensinnig von den Menschen missbraucht wurde, kam es zu einer neuen Willenserklärung, einem Neuen Testament. Und das beginnt mit Weihnachten: Gott kommt in Christus in sein Eigentum, um die Eigentumsverhältnisse noch einmal neu zu „regeln“. Alles ist und bleibt Gottes Eigentum. Und Christus sollte auch denen diese Besitzverhältnisse klar machen, die verloren schienen. Das war der große Auftrag Christi: Gottes Eigentum zu ordnen. Zu Recht zu bringen. Besitzverhältnisse zwischen Gott und Menschen klar zu stellen.

Der Sohn Gottes weiß, wie wertvoll das Eigentum Gottes ist. Er weiß auch, wie bedroht es ist. Diebe und Räuber allerorts allerseits, allerzeit. Erinnern wir uns an Jesu Worte Johannes 10, vom guten Hirten. Diebe machen sich ans Werk, die das was Gott gehört, rauben wollen, zerstören wollen. (Medien berichten über die neue Form von Dieben und Räubern: Piraten vor der Küste Somalias, die rauben und stehlen, was anderen gehört. Und wir bekommen mit, wie schwierig es ist, diesem Raub beizukommen. Wie niederträchtig die Motive sind. Aber das sind wahrlich nicht die einzigen Diebe und Räuber mit denen es unsere Welt zu tun hat. Wie oft raubt man uns den Stolz, die Würde, raubt man uns die Hoffnung.)

Aber: Gott kommt in sein Eigentum. Da wird deutlich:Gott ist nach wie vor im Besitz - im Besitz all seiner Kostbarkeiten. Und er ist im Besitz all seiner Kräfte, mit dem er sich um sein Eigentum sorgt. Will er seinen Besitz bewahren, retten, d.h. herausreissen aus der Bedrohung, schützen. Nach wie vor will er sein Eigentum heilen, was verloren scheint. Was geraubt scheint, will er ersetzen. Will suchen, was verloren scheint. Weihnachten nennt man das: wo Gott bei Nacht und Nebel zur Welt kommt, um in Jesus Christus sein Eigentum zu hegen und zu pflegen. Der Heiland kümmert sich um Gottes Eigentum. Der Erlöser sorgt sich um Gottes Hab und Gut.

Und plötzlich wird klar, was sich da an der Krippe abspielt: Gottes Eigentum auf engstem Raum. Gottes Hab und Gut in einem Stall: Arme und Reiche. Ausgestoßene und Angesehene. Mächtige und Ohnmächtige. Hochmütige und Demütige. Selbstständige und Abhängige. Wertvolle und Wertlose. Top fitte und angeschlagene. Genauso wie der Zustand von Heil und Unheil. Geborgenheit und Fremde. Flucht und Zuhause. Hier an der Krippe erfährt jeder in jeder Situation: wir sind und bleiben Gottes Eigentum.

Seltsam, dass uns an Weihnachten Geschenke so wichtig geworden ist! Gott verschenkt an Weihnachten nichts. Alles ist nach wie vor seins. Und er zeigt das, in dem er in sein Eigentum kommt. Fast möchte man behaupten: Gott hat nichts zu verschenken.

Geschenke im Alten Orient sind eher etwas anrüchiges. Sprüche 15,27: „Wer Geschenke hasst, der wird leben.“ Sprüche 17,23: „Der Gottlose nimmt heimlich gerne Geschenke, zu beugen den Weg des Rechts.“ Sprüche 18, 16: „Das Geschenk des Menschen schafft ihm Raum und bringt ihn zu den großen Herren.“ Geschenk ist, etwas aus der Hand geben, den Anspruch daran verlieren und in neue Besitzverhältnisse übergeben. In der Tat lesen wir in der Bibel nichts von Geschenken Gottes. In diesem Sinn hat Gott nichts zu verschenken. Wir sind und bleiben Eigentum Gottes. Nichts und niemand gibt Gott aus der Hand. (Auf diesem Hintergrund müsste man noch mal die ganze weihnachtliche Geschenkkultur auf den Prüfstein stellen.)

Viel wesentlicher und wichtiger als das Herschenken von Eigentum ist das „mit in die Verantwortung nehmen“. Der Eigentümer holt in die Mitverantwortung für sein Eigentum. Das Neue Testament drückt das aus in der Bezeichnung des Haushalters: d.i. ein Mitarbeiter in Privatstellung, mit einer sehr engen Beziehung und jeder Zeit möglichem Zugang zum Herrn, mit der Aufgabe, das Eigentum des Herrn zu verwalten.

Von Christus ging dieser Gedanke aus: nachdem er zwischen Krippe und Kreuz die Besitzverhältnisse geregelt hatte, sollten Haushalter an seiner Statt tätig sein, die das Eigentum Gottes hegen und pflegen: mit aller Wertschätzung und der nötigen Vorsicht. Mit Respekt und Leidenschaft. Mit Liebe und Verständnis gegenüber allem und allen, die Eigentum Gottes sind. Keiner soll Schaden erleiden. Nichts soll kaputt gehen. Niemand soll benachteiligt werden vom Eigentum Gottes.

In der Tat heißt Haushalterschaft, im griech. oikomonos. Und das ist Tätigkeitsbeschreibung und Ortsangabe: meint das Verwalten des Eigentums sowohl im einzelnen Haus, sprich in der Familie, als auch im gesamten römischen Reich, sprich dem Staat, als auch auf der ganzen bewohnte Erde: die Menschheit schlechthin. Haushalter des Eigentum Gottes haben eine Aufgabe im Kleinen wie im Großen.

Wir spüren in und um Weihnachten 2009, dass es mit der Verantwortung als Haushalter Gottes, die nichts anderes tun, als Gottes Eigentum, und nicht ihren eigenen Besitz verwalten, immer schwieriger wird. Dass es sehr fragwürdig ist, wie so oft verantwortungslos gehandelt wird, zum Schaden anderer.

Die große Misere seit Weihnachten im Jahre 0 bis zum Jahre 2008: das Herodesdisaster . „die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Das heißt, Menschen haben an sich gerissen, was ihnen nicht gehört. Sie haben sich auf Throne gesetzt, wo sie nicht hingehören. Sie haben sich aus der Haushalterschafft gestohlen und sich selbst zu neuen Eigentümern erklärt. Die Parolen heißen: die ganze Welt gehört uns. Nichts ist unmöglich. Das Recht ist auf der Seite des Stärkeren. Sinnloser Mord und Totschlag wie bei Herodes ist die Folge.

Aber wenn das stimmt, dass alles Gottes Eigentum ist, und wir Verantwortung dafür übertragen und übernehmen, dann muss sich auch ein jeder für alles Tun und Lassen vor Gott verantworten. Das wird uns über kurz oder lang ins Haus stehen. Die Frage: wie bist du mit Gottes Eigentum umgegangen?

Gott ist in Christus in sein Eigentum gekommen und hat die Eigentumsverhältnisse geklärt. Besitzverhältnisse sind geordnet. Wir dürfen wissen, wem und wohin wir gehören. Daran dürfen wir für uns festhalten. Dazu dürfen und werden wir auch die einladen, die sich eigentümlich aus dem Eigentum Gottes gestohlen haben. Die in die Selbstständigkeit geflüchtet sind, und dort doch nur einen Kampf und Krampf ums Überleben führen.

Christus ist gekommen, dass er das Eigentum Gottes hegt und pflegt. Hier darf ganz werden. Hier darf heil werden. Hier darf zurück gewonnen werden. Hier kann wieder zu recht gebracht werden.

Heinrich Alber, betet, singt 1642:
„Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum.“
(Herr des Himmels und der Erde.)

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