Herr … können Sie mich hören? Frau … können Sie mich hören? Sie werden mir zustimmen, ein Gottesdienst bringt nur etwas, wenn man hören kann. Wenn man innerlich und äußerlich hören kann.
Was haben Sie nicht alles gehört! Soviel wurde gesagt. Möchte gerne ein Experiment machen. Nehmen Sie noch mal die vielen Stimmen war. Gehen sie dem Gehörten noch mal nach. Hören sie noch mal, wer was zu ihnen gesagt hat. Nehmen wir uns dazu kurz Zeit und ein bisschen Musik zur Hilfe. Ich möchte Sie in ihre Ohrenwelt mit hinein nehmen. Ohne zu überlegen, was der andere neben mir denkt: machen sie sich unabhängig von anderen, es geht um sie ganz persönlich. Und versuchen sie sich wirklich zu konzentrieren. Dazu schließen sie bei Bedarf die Augen oder setzen sie sich so hin, dass sie gut in sich hinein hören können.
Hören Sie sich gut zu.
Ich weiß nicht, wie viel sie gehört haben? Auf jedenfall hat sie das Gehörte geprägt. Ist wesentlich geworden für Lebensphasen. Für ihre Persönlichkeit. Hat Sie possitiv geprägt oder negativ. Die wichtigste Frage dabei war die Letzte: Haben Sie gehört, was Gott zu ihnen gesagt hat?
Sie sagen, Gott hat noch nie zu mir gesprochen? Irrtum: Es gibt keinen Menschen, den Gott nicht anspricht. Gott hat einen Anspruch auf alle Menschen. In Hesekiel 1 heißt es: "So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr, siehe, alle Menschen gehören mir." Gott hat einen Anspruch. Sie sind nicht anspruchslos. Und Sie sind angesprochen.
Mag sein, dass sie Gott schon lange nicht mehr gehört haben. Dann nehmen Sie sich unbedingt Zeit, sich an Gottes Reden zu erinnern. Was hat er ihnen gesagt: damals im Elternhaus. Damals, nach einem für sie unfassbaren und einschneidenden Erlebnis? Was hat er ihnen an der Konfirmation mit auf den Weg gegeben. Was hat er ihnen gesagt, als er ihnen für die Ehe ein Wort mit auf den Weg gegeben hat? Was hat er gesagt, als er ihnen Kinder anvertraut hat? Es stimmt: normaler Weise sind Worte Schall und Rauch. Aber das, was Gott zu ihnen sagt, kann ihre Berufung sein. Kann ihre Begabung sein. Kann ihr kostbarstes Talent sein. Kann teuerster Rat sein. Kann Vision sein. Nur zwei Beispiele, wie das Reden Gottes und das Hören dieser Worte unsere ganze Existenz gelingen oder misslingen lässt:
Was Gott zu sagen hat, ist guter Rat. Vom Rat heißt es: "Wo nicht weiser Rat ist, da geht das Volk unter!" (Sprüche 11, 14) Wir brauchen Rat für unser Leben. Damit wir und was wir haben in guter Weise entfalten kann.
Was Gott sagen kann, ist eine Vision. Von der Vision heißt es: "Wo keine Vision ist, wird das Volk wild und wüst." (Sprüche 29, 18) Wir brauchen eine Vision, damit wir wissen, wozu wir da sind, was wir noch tun können, was wir noch erreichen möchten.
Alles in allem weiß ein Petrus zu sagen: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens." (Johannes 6, 68) Das griechische Wort, dass Petrus hier benützt (aperchomai), verwendet der Grieche gerne im übertragenen Sinne, wenn er sagen möchte: ich geh kaputt, ich vergehe. Ich geh hops.
Sie müssen sich erinnern, was Gott ihnen an welcher Stelle auch immer, mit auf den Weg gegeben hat. Das ganze alte Testament macht gelingendes Leben daran fest, ob man hört, was Gott sagt. Und es hat zwei Kategorien, die uns gefallen oder missfallen wollen: alles hörende Leben steht unter dem Segen Gottes. Da gelingt etwas, da geht was. Da ist Zufriedenheit und Allgemeinwohl da. Alles nichthörende steht unter dem Fluch Gottes. Das ist der Zustand, der ganz nah dran ist an dem, was Petrus befürchtet, wenn er Gottes Worte nicht hört: ich geh kaputt. Es ist wie ein Fluch, der auf mir lastet: ich krieg nichts hin.
Wie kann man nun hören? Wir nennen das land auf land ab "Gebet". Gebet ist das Hören auf Gott. Was hast du mir Gott zu sagen. Gebet umschließt auch mein Reden mit Gott. Aber es ist in jedem Fall die großartige Möglichkeit, zu hören, was Gott über meinem Leben für Verheißungen, Visionen hat. Was er an kritischem und ermutigenden für mich hat. Und zu diesem hören, sagt Jesus: "geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu." (Matthäus 6, 6)
Geh in die tameion. Das war die Vorratskammer. Ein eher versteckter, geheimer Raum im innersten des Hauses. Schließ zu. kleisas: nimm den Schlüssel und sperr zu. Mach dicht. Die Vorratskammer war bei ärmlichen Leuten der einzig abschließbare Raum. Berühmte Vorbilder für solches Beten im Kämmerlein: Elisa, kurz bevor er das tote Kind aufweckte, heisst es: "Und er ging hinein und schloß die Tür hinter sich zu und betete zu dem Herrn." (2. Könige 4, 33) Auch Joseph soll, bedroht durch Potiphar, in solch einer kleinen Kammer Zuflucht gesucht haben zum Gebet. (TestJos3,3) In Jesaja 26,20 rät der Prophet dem Volk, ansgesichts dessen was Gott tun wird, zum Schutz in die Kammer zu gehen und die Türen zu verschließen.
Dieses Hören auf Gott wird zum einsamsten Geschehen des Lebens. Hier ist wirklich Einsamkeit gefragt.
Hören wird zugegebener Maßen einfacher, wenn man sich gemeinsam vergewissert. Oft spricht Gott durch einen anderen Menschen. Oft liegt, was er sagte, offensichtlich für alle auf der Hand. Und jeder wundert sich, warum man diese Chance nicht ergreift. Oft ist das Gehörte verschüttet und vergraben, versteckt und verstaubt unter Schichten von Frust und Enttäuschungen.
Song: Sag uns etwas Gutes.