Jesaja 40, 26-31

30. März 2008 - Goldene Konfirmation
Pfr. Dr. Karl Knauß

Heute richte ich mich besonders an diejenigen in der ersten Reihe, die heute Goldene Konfirmation haben, aber natürlich auch an Sie alle, die Sie heute hier im Gottesdienst sind, doch die ersten Adressaten sind die, die damals am 30. März 1958 konfirmiert wurden. Das war damals der Palmsonntag. Die Jahre sind natürlich nicht spurlos an Ihnen vorübergegangen. Die 50 Jahre haben Sie verändert, äußerlich und auch innerlich. Zum Äußeren: Jesus hat gesagt, dass die Haare auf eurem Haupt alle gezählt seien. Erst recht wird es mit den wichtigeren Dingen des Lebens so sein. Trotz aller Veränderungen sind wir in Gottes Hand.

Bei der Konfirmation damals waren nicht nur die Wilhelmsdorfer unter sich, sondern man feierte gemeinsam mit dem entsprechenden Jahrgang aus dem KI (Knabeninstitut) und dem Hoffmannhaus und dem Hör-Sprach-Zentrum. Insgesamt waren Sie 45 Konfirmandinnen und Konfirmanden, aber nur 15 waren aus Wilhelmsdorf selbst. Die Kontakte zu vielen haben sich wohl verloren. Wenn Sie die Konfirmandenbilder von damals anschauen, werden Sie vielleicht nicht einmal mehr alle erkennen.

Weshalb feiert man eigentlich Goldene Konfirmation? Ich denke, da geht es um mehr als nur um ein normales Jahrgangstreffen. Es geht um eine Bilanz. Aktive Jahre liegen zwischen der Konfirmation im Jahr 1958 und jetzt - 50 Jahre. Haben sie was gebracht? Hat sich das Leben gelohnt? Oder muss/ sollte es eigentlich noch was bringen? Leben, wofür das Ganze? Natürlich hat unser Leben mit Gott zu tun. Nur mit ihm hat es Sinn. Das war damals bei der Konfirmation sozusagen selbstverständlich mit Inhalt. Das sollte sich ja auch im Leben zeigen.

Vor einigen Tagen (19. März) gab es am Himmel ein ungeheures Ereignis: Ein Stern ist explodiert. Gibt es jemand, der das mitgekriegt hat? - Ich habe es auch erst hinterher erfahren. Von einem speziellen Forschungssatelliten ("Swift") aus wurde es beobachtet und an die Erde weitergemeldet, die hellste jemals beobachtete Supernova - so nennt man diese Explosion - , etwa 2 Millionen mal heller als alles bisher bekannte. Es war zum Glück weit weg, nämlich 7,5 Mrd. Lichtjahre. Wenn das in unserer Milchstraße passiert wäre, dann hätte das Sonnenleuchten dagegen ziemlich schwach ausgesehen. ( Ein NASA-Satellit hat am 19. März die hellste Explosion registriert, die jemals von Menschen gesehen wurde. Die gewaltige Sternenexplosion in tiefster Ferne des Alls war 2,5 Millionen Mal heller als die stärkste bisher beobachtete Supernova. [ www.heute.de/ZDFheute/inhalt/26/0,3672,7183834,00.html ] ) Es ist, als wäre es noch einmal ein Schöpfungsvorgang. Die Astronomen sind begeistert.

Aber eines ist ganz komisch bei dieser Beobachtung: Niemand hat an den Schöpfer gedacht. Mindestens wurde es nicht geschrieben. In der Bibel ist das anders. Dort gilt die Logik: Wenn du wissen willst, wie groß Gott ist, dann schau zu den Sternen am Himmel. Das alles hat er geschaffen. Für uns heute ist der Eindruck noch unglaublich viel stärker als zu den Zeiten der Propheten. Wir haben noch andere Einsichten über die Entfernungen im Weltall und über die dort ablaufenden Vorgänge. Eigentlich so, dass es jede normale Vorstellungskraft übersteigt.

Wenn du in der Hand dieses mächtigen Gottes ruhst, warum hast du dann Sorge und Angst um dich, um deine Zukunft?

So heißt es in Jesaja 40, 26-31:

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: "Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber"?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;
31 aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Kurzfassung: Menschen sind erschöpft, und Gott hat unglaublich viel Macht. Wie kriegen wir das zusammen? - Antwort: Im Glauben kriegt man das zusammen. Und der Schlüssel liegt nicht bei uns, sondern bei Gott. Weil wir einen großen Gott haben, deshalb dürfen wir hoffen und weitergehen.

Roter Faden: Gottes Kraft in der Schöpfung - Gottes Kraft für uns

1. Gottes Kraft in der Schöpfung
Für uns ist es nicht mehr so selbstverständlich, dass sich Gottes Macht in der Schöpfung zeigt. Deshalb möchte ich die vorher angefangene Frage (Blick zum Himmel) nochmals aufgreifen, auch wenn eine Predigt dafür nicht reicht.

Wir wissen heute über die Natur viel mehr als früher. Unser Wissen verdoppelt sich gegenwärtig etwa alle 5-7 Jahre. Mit diesem riesigen Wissen haben wir im Grunde ein Problem. Ich meine jetzt nicht die Naturwissenschaftler - die haben natürlich mit so viel Wissen auch ihre Probleme. Aber für Menschen, denen Gott wichtig ist, tauchen Fragen mit dem Glauben auf. Kommt da Gott überhaupt noch mit? Wie sollen dann wir mitkommen!

Ja, Gott hat das alles schon gewusst. Aber er weiß noch sehr viel mehr. Er übersteigt alles menschliche Maß.

Gerade deswegen müssen wir nicht nur zum Himmel hinaufschauen. Sondern auch in den unzählig vielen Geheimnissen im ganz Kleinen ist seine Weisheit zu sehen.

Wenn er schon so groß ist, dann kann er bei unseren relativ kleinen Fragen nicht ratlos sein.

2. Gottes Kraft für uns

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler

Mit Adlersflügeln - Fitness für Erschöpfte. So habe ich die Überschrift für heute gewählt.

Meistens wird dieser bekannte Spruch individualistisch aufgefasst, also so: Wenn du erschöpft bist, dann vertraue auf Gott. Der gibt dir wieder Kraft.

Aber der Prophet im babylonischen Exil meint es einen Tick anders. Eigentlich ist das ein Hammer. Er meint eine kollektive Erschöpfung. Er meint fast so etwas wie eine Volks-Depression. Gibt's das - eine kollektive Erschöpfungs-Depression? Das ganze Volk Israel ist von einer Depression gepackt. Jahrzehnte von negativen Erlebnissen haben sich lähmend auf sie gelegt. Die Mitte fehlt, und der Sinn fehlt. Keiner hat mehr Mut, überhaupt das Leben richtig anzupacken. Da ist nicht hier und da vielleicht jemand, der am Ende ist mit seinen Kräften. Sondern da stimmt überhaupt nichts mehr mit dem Leben. Sie leben nur noch provisorisch.

Diese Situation hat mit Gott zu tun. Das heißt: Sie zweifeln an Gottes Macht. Kann der uns überhaupt noch helfen? Die anfangs erhoffte schnelle Rückkehr aus der Gefangenschaft blieb aus. Da nagte der Zweifel: Ist Gott machtlos?

Bei Ihrer Konfirmation 1958 war das anders. Vermutlich hat das damals niemand gesagt, weil man es erst im Nachhinein so deutlich sieht. Aber damals war eine Aufbruchstimmung. Wirtschaftlich und politisch und geistlich. Das Wirtschaftswunder hatte das Denken und Empfinden geprägt. Auch geistlich war ein Aufbruch da. Die Kirchen waren voll.

Manches hat sich geändert. Wir sind zwar nicht in einer depressiven Phase, aber ernüchtert sind wir. Es kann nicht immer aufwärts gehen, wirtschaftlich schon gar nicht. Vieles in unserem Leben heute erreichen wir nur mit großem Einsatz. Wenn jemand erschöpft ist, dann ist das nicht verwunderlich. Wir können uns trösten: Für die Israeliten damals war es viel schlimmer.

Ich habe gesagt: Goldene Konfirmation ist auch ein Stück Bilanz. Haben wir zu sehr auf materielle Werte gesetzt?

Darauf die Antwort mit den Adlersflügeln. Sie kommen nicht vom steigenden Wohlstand. Sondern die Adlersflügel kommen von Gott. Das gilt nicht nur für die Goldenen Konfirmanden. Das gilt für alle. Es ist nötig, dass wir uns geistliche Ziele geben lassen. Ich meine nicht, geistliche Ziele selbst setzen. Sondern sie uns von Gott geben lassen. Amen.

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