Markus 2, 13-17, Berufung Levis

10. Februar 2008 - Invokavit, Diakoniegottesdienst
Pfr. Dr. Karl Knauß

13 Und er ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm und er lehrte sie.
14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.
15 Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, die ihm nachfolgten.
16 Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß sprachen sie zu seinen Jüngern: Isst er mit den Zöllnern und Sündern?
17 Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken.

1. Levi hat ein Problem: Zu viel Geld

Die meisten Leute meinen, von Geld könne man nie genug haben. Je mehr man hat, desto besser. Aber das stimmt nicht. Geld ist ein Suchtmittel. Sagen wir, so ähnlich wie bei Tabletten. Maßvoll genommen, sind sie nötig, wenn man eine Krankheit hat. Aber wenn man sie im Übermaß nimmt, werden sie zum Gift.

Geld kann auch zum Gift werden. Dem Zöllner Levi war sein Geld so wichtig. Es war ihm schließlich egal, wie er zu Geld kommt. Hauptsache Geld. Es musste gar nicht ehrlich erworben sein. Auch Unterschlagung war für ihn kein Tabu.

Da sitzt er Tag für Tag an seinem Zollhäuschen. Das war sein Geschäft geworden. Irgendwann werden ihm die Römer wohl diesen Job angeboten haben. Und er wird gedacht haben, das ist die Chance des Lebens. Wie wenn jemand von einem großen Fußballclub angeworben wird, und massenhaft Geld in Aussicht steht. Wer da sagt, ich möchte aber gar nicht so viel. Der muss ganz schön bescheuert sein. Also, er hat zugegriffen. Und dann wurde er immer reicher.

Ich weiß es nicht, ob er früher mal Freunde hatte. Vermutlich ja. Denn irgendwann haben die meisten Menschen Freunde. Und die haben sich alle so nach und nach von ihm zurückgezogen. Mit einem Zöllner wollten sie nichts zu tun haben.

Zöllner waren verhasst. Alle wussten, das sind Betrüger. Die nehmen den Leuten einfach ihr Geld weg. Das war natürlich nicht recht. Aber sie taten es trotzdem. Die Zöllner saßen am Stadttor. Und sie ließen niemand hinein, wenn er nicht vorher bezahlt hat.

Gab es denn wirklich keine ehrlichen Leute unter den Zöllnern? Das ist, wie wenn man fragen würde, ob es bei der Mafia auch ehrliche Leute gibt. Gelegenheit macht Diebe. Wenn man erst einmal in einem solchen Zollhäuschen sitzt, da verändert man sich. Je länger umso mehr.

Wie soll man sich das denn vorstellen, wenn der Zöllner Levi am Zoll sitzt? Da kommt ein Kaufmann und will in die Stadt: Er will Kleider und Stoffe verkaufen. Aber die muss er verzollen. Zwischendrin hat Levi eine Pause. Es kommen ja nicht immer Leute, die was zu verzollen haben. Er denkt: Ach, wäre das schön, wenn ich mit Freuden was feiern könnte. Aber er hat ja keine Freunde!

2. Levi hat Glück: Jesus kommt.

Nun kommt Jesus vorbei. Von ihm konnte man nichts wegnehmen, weil er nichts hatte. Jesus sieht ihn an seinem Zollhäuschen sitzen. Und er hat ihn einfach lieb. Weil er alle Leute lieb hat.

Aber er hat nicht zu allen gesagt, folge mir nach. Doch zu Levi sagt er es, weil er für ihn ein besonderes Ziel hat. Dass Jesus Levi ruft, hat mit dem Plan Gottes zu tun.

Jesus hat auch nicht das Vorurteil der anderen Leute. Er sagt nicht: Alle Zöllner sind schlecht. Sondern Jesus denkt komischerweise, Zöllner kann man brauchen.

Und da trifft jetzt der, der nichts hat, auf den, der zu viel hat.

Andere Menschen haben Vorurteile. Und sie stempeln sie ab. Man kann solche Stempel aufzählen: Reich, arm, Ausländer, Kommunist, Nazi... Was haben Sie denn für Vorurteile?

Jesus hat eine komische Einstellung. Da ist gar nicht die Vergangenheit wesentlich. Egal, was Menschen für eine Einstellung haben: Sie können sich ändern. Und wie viele Menschen haben sich geändert, wenn sie mit Jesus zu tun hatten.

Das war schon etwas ganz Erstaunliches, dass Jesus diesen Betrüger lieb haben kann, den doch alle hassen. Und dass er ihn brauchen kann!

3. Levi hat Mut: Er geht mit

Aber genauso erstaunlich war, dass Levi sich rufen ließ. Denn Jesus hätte 100 mal rufen können. Wenn der Levi nicht wollte, dann lief nichts.

Es kann sein, er hat schon lange Sehnsucht gehabt, aus diesem blöden Leben herauszukommen. Vielleicht wollte er schon lange ein sinnvolles Leben anfangen. Dass er von den anderen isoliert wird, so hatte er sich sein Leben nicht vorgestellt. Sie wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Da fühlt man sich schon komisch, wenn einem die anderen ausweichen.

Es gibt auch bei uns Menschen, die sich isoliert fühlen. Die anderen gehen ihnen aus dem Weg.

Z.B. wenn man eine ansteckende Krankheit hat. Sie wollen sich nicht anstecken. Oder bei Trauer. Die Leute wissen nicht, wie man einem Trauernden begegnen soll. Und so weichen sie aus.

Einsamkeit ist auch manchmal ein Thema in Märchen. Da werden Menschen geschildert, die sich durch ihr Verhalten selbst in die Einsamkeit bringen; etwa Schneewittchen. Ihre Eitelkeit hat sie dazu gebracht, dass sie Probleme mit Menschen bekommt, dass sie einsam wird.

Egal, aus welchem Grund Levi dann tatsächlich mit Jesus mitging: Dazu brauchte er Mut. Denn Jesus konnte ihm nicht versprechen, dass er sich künftig alle Wünsche erfüllen kann. Er konnte ihm nicht einmal versprechen, ob er jeden Tag irgendwo übernachten kann. Die Füchse haben Gruben und die Vögel haben Nester. Aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Und Jesus konnte ihm auch nicht versprechen, ob es jeden Tag was Rechtes zu essen gibt. Wahrscheinlich gab es viele Hungertage.

Aber mit Jesus hatte er wieder Sinn in seinem Leben. Er wusste, wofür er lebt. Das ist mehr als viel Geld. Vor allem Gottes Ziel in seinem Leben, das war das Große.

4. Levi hat wieder Freunde: Das Mahl der Zöllner und Sünder

Mit wem sitzt denn Jesus da zusammen? Mit den allerschlimmsten Leuten.

Die Frage ist: Mit wem sitzen wir am Tisch? Von wem lassen wir uns einladen? Ein Sprichwort sagt: Zeige mir deinen Freund, und ich sage dir, wer du bist.

Es gibt sehr zu denken, dass viele Menschen Jesus nachgefolgt sind, die bei den Menschen nicht groß angeschrieben waren. Sie waren auch bei dem Festessen eingeladen. Sie sind nicht so geblieben, wie sie waren. Sondern sie wurden zu wichtigen Mitarbeitern im Reich Gottes. Jesus hat sie gesund gemacht. Sünde ist auch eine Art von Krankheit. Aber Jesus möchte, dass sie gesund sind. Amen.

Impressum