Hebräer 13, 8-9b
Silvester ist auch nur ein Tag mit 24 Stunden. Und dennoch ziehen an diesem Tag die wichtigsten Augenblicke des Jahres noch einmal in unserer Erinnerung vorüber. Wie in einem Brennglas wird an diesem Tag alles noch einmal gesammelt und konzentriert. Was hat's gebracht? Es gab kein Mega-Ereignis, das alle anderen überragt, sondern eher viele in der Bedeutung konkurrierende Dinge. Also unter dem Strich werden viele Leute sagen: Wir hatten schon aufregendere Jahre. Etwa das Jahr der Wende mit der Öffnung des eisernen Vorhangs, oder das Jahr 2001 mit der Katastrophe des 11. September.
Vielleicht wurden wir gerade deswegen an die längerfristige Trends erinnert. Viele denken etwa an den Klimawandel oder die Energieverknappung.
An Silvester werden wir auch an die Vergänglichkeit erinnert. Wo alles im Zeichen des Wandels steht, sagen viele, mir geht es eigentlich zu rasant. Sie fragen auch nach Orientierung. Auch das gehört zu Silvester. Und zwar gerade weil vieles sich so schnell wandelt.
Für viele Menschen ist das, was sie in diesem Jahr persönlich erlebt haben, viel einschneidender als das große Weltgeschehen. Trauer oder ein anderes privates Ereignis können oft das Leben mehr verändern als die Politik. Da ist Orientierung besonders gefragt.
8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
9 Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
In vielen Kirchen ist der erste Teil als Inschrift angebracht, z.B. über den Kirchenportal, oder manche haben ihn als Konfirmations-Denkspruch. Wir können uns auf Jesus Christus verlassen. Er gibt uns keine Ausrede: Ich hab mir's anders überlegt.
Eine Frau erzählt über ihren Vater, dass sie oft nicht so recht wusste, wo sie bei ihm dran war. Einmal war er ungeheuer freigiebig und versprach ihr einen teuren Schmuck. Sie dachte aber, das ist völlig unnötig; wozu brauche ich solch ein teures Geschenk völlig ohne Anlass. Wenig später kam sie zu ihm und bat um ein paar Schuhe. Die alten taugten nicht mehr viel und waren abgenützt. Aber er sagte nein. Es dauerte eine Zeit. Urplötzlich und völlig unerwartet versprach er ihr ein Auto. Sie sagte schnell ja. Denn wer weiß, wie er morgen denkt! Wechselbad der Gefühle! Väter können ja schon komisch sein. Aber diese Unberechenbarkeit ihres Vaters hat sie dann irgendwie auch auf Gott übertragen. Wenn der was sagte, wer weiß, ob er's auch so meint. Das hat ihr große Not gemacht. Liest sie in der Bibel irgend eine Verheißung, dann sucht sie gleich, ob diese Verheißung nicht vielleicht an anderer Stelle zurückgenommen wir. Bis sie merkte, Gott ist anders. Auf ihn ist Verlass.
Jesus Christus ist gestern und heute derselbe... Wie er sich verhält, hängt nicht von augenblicklichen Stimmungen ab; oder vielleicht von einem gerade vollen oder leeren Konto. Seine Festigkeit und Zuverlässigkeit hat auch mit meinem Verhalten nichts zu tun. Ich brauche nichts dazu beitragen.
Wenn ich in die Alpen gehen und eine Bergwanderung machen oder Skifahren will, dann stehen die Berge schon da. Ich muss sie nicht erst errichten, sie entstehen auch nicht durch meine Vorstellung oder Einbildung. Die Berge stehen da.
So ist es auch mit der Herrschaft Jesu Christi. Sie hängt nicht davon ab, ob ich sie anerkenne. Niemand kann sie ihm wegnehmen, selbst wenn er's wollte.
Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie Werte zerfallen. Menschen sind nicht zuverlässig. Misstrauen breitet sich aus. In den Medien wird dann vor allem von den spektakulären Fällen berichtet. Etwa wenn jemand einige Millionen unterschlagen hat, oder wenn Kinder vernachlässigt werden und verhungern. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Den Zerfall der Werte merken wir auch im Kleinen.
Die kleinen Dinge, die uns dann selbst widerfahren, halten viele Menschen nicht mehr aus. Sie sagen sich, wenn ich dieses Unrecht erfahre, dann darf ich selbst auch Unrecht tun. Es ist rätselhaft, wer ihnen das beigebracht hat. Sie üben Selbstjustiz. Rache. Hat dieser Bazillus aber erst einmal um sich gegriffen, ist die Infektionsgefahr ziemlich groß. Irgend jemand hat mir mein Handy geklaut, also darf ich auch eins klauen! Das ist ja ein krankes Denken.
Dem steht bei Jesus etwas anderes gegenüber. Er ist zuverlässig, er ist gestern und heute derselbe und auch in Ewigkeit. Das soll mich auch fest machen. Und zwar so sehr, dass krankes Denken nicht die Oberhand gewinnt. Also lass dich nicht davon beeinflussen, dass da fremde Lehren um sich greifen, die mit Gottes Willen nichts zu tun haben. Es ist eine gute Sache, dass das Herz festgemacht wird.
Der Schreiber des Hebräerbriefes ist ziemlich realistisch. Er weiß, dass das nicht durch einen Willensappel allein getan ist. Sondern das passiert durch Gnade. Da hat Gott seine Hand im Spiel. Wenn erst einmal falsche Lehren, falsche Ideen, falsche Einflüsse um sich gegriffen haben, dann ist es sehr schwer, nüchtern zu bleiben. Darum sollen wir nicht nach unten schauen; also nicht darauf, wo mir Schäden zugefügt wurden, sondern darauf, wo Jesus um meinetwillen Schaden auf sich genommen hat. Er hat viel mehr getragen als ich. Das ist der Grund, warum ich mit meinen kleinen Schäden auch leben kann.
Das will unser Herr, dass so unser Herz festgemacht wird; weil wir auf ihn schauen. Im Schauen auf ihn werden wir fest: Wenn wir leiden, dann lesen wir die Leidensgeschichte Jesu. Wenn man uns Geld und Gut wegnimmt, dann lesen wir, wie er seine himmlische Heimat verlassen hat für uns, wie er seine Gottheit aufgegeben hat, um uns zu retten. Das festere Herz geht oft mit einem Verlust einher, wenn man den Verlust richtig verarbeitet. Das Herz wird selten durch Zugewinn fester, sondern wenn ich im Hergeben ein Stück weit von dem lerne, was auch er durchgemacht hat.
Dass unser Herz festgemacht wir, hat viele Seiten. Wir haben auch Schicksalsschläge und ähnliches zu verdauen:
Schwere Erlebnisse. Einen Menschen, den ich liebgehabt habe, und der jetzt nicht mehr da ist. Wo Hoffnungen und Wünsche zunichte geworden sind. Oder da ist eine Prüfung danebengegangen. Wie soll es weitergehen? Oder der Arbeitsplatz hat sich nicht als stabil erwiesen. Auf was darf ich mich verlassen in dieser Welt? Bin ich nur ein Sandkörnchen, das man nicht beachtet?
Dazu gehört auch meine Schuld. Das, was ich wissentlich oder versehentlich falsch gemacht habe. Ich darf sie ihm hinlegen und um Vergebung bitten. Und er vergibt. Das kann man so sagen in wenigen Sätzen. Doch ihn hat es viel gekostet. Und das hat mein Leben geändert, dass er Schuldscheine zerreißt.
Wir müssen auch mit gegenwärtigen Lasten und Sorgen, Freuden, Plänen und Zielen zurechtkommen. Da ist so vieles, was mich bewegt. Ich kann das nicht alles sortieren. Ich hätte gerne jemanden, der all dieses Chaos in meinem Gehirn und in meiner Seele ordnen hilft.... Er tut's. Das sagt sich auch sehr schnell. Doch es erfordert vor allem meine/ unsere Bereitschaft, ihm diese ganzen unsortierten Gedanken und Empfindungen zu zeigen und ihm die Möglichkeit zur Heilung zu geben.
Der persönliche Bereich wird im Hebräerbrief in den weiten Kontext der Gemeinde und Gesellschaft hineingestellt.
Das gehört auch dazu, dass wir uns nicht durch gerade gängige unbiblische Lehren verunsichern lassen. Es gibt viele Schriften und Bücher auf dem Markt, die mehr verwirren als aufklären. Zur Zeit des Hebräerbriefs waren es Speisegebote, die aus dem Judentum kamen. Heute sind es pseudo-wissenschaftliche Lehren auch im Bereich der Gesundheit oder der Archäologie oder irgendwelche pseudowissenschaftliche Jesus-Stories. Es ist gut, wenn wir uns davon nicht irremachen lassen.
Solche Fragen müssen in der Gemeinde bedacht und besprochen werden, in kleinem oder in größerem Kreis. Was unsere Seelen verwirrt und durcheinanderbringt, ist nicht nur Privatsache, gehört nicht nur in die Urlaubslektüre, sondern sollte, wenn es mehrere betrifft, in der Gemeinde bedacht und besprochen werden, im Hauskreis, in der Bibelstunde, oder vielleicht auch in Sonderveranstaltungen.
Wir sind eingeladen, mit unseren Anliegen gemeinsam zu ihm zu kommen. Unser Herz soll fest werden. Amen!