Offenbarung 3, 7-12
7 Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf:
8 Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.
9 Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.
10 Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.
11 Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!
12 Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.
Um es gleich zu sagen: Von Wilhelmsdorf ist in der Bibel nirgends die Rede. Auch hier nicht. Es geht um eine andere Gemeinde, um eine ganz bestimmte kleine Gemeinde damals in Kleinasien. Doch sie ist auch Vorbild und Maßstab für andere Gemeinden. Sie bekommt von Jesus nur Anerkennung und keine Kritik. Das ist deswegen auffällig, weil es in den meisten angesprochenen Gemeinden der Offenbarung wirklich drunter und drüber geht. Die äußere Lage ist alles andere als harmlos. Es gibt Verfolgung bis hin zum Martyrium. Auch die innere Lage sieht zumeist bedrohlich aus. Wie man da noch einen klaren Kopf behalten kann, ist ein Rätsel.
Vielleicht denken manche: Da müssen ganz großartige Leute in der Gemeinde sein, die da noch klarkommen. Aber hier gibt es nur Fehlanzeige. Keine Geistesgrößen oder begnadeten Redner, kein Paulus oder John Wesley oder so.
Die Gemeinde ist sehr unspektakulär. Sie hat nur eine kleine Kraft. Ihr auferstandener Herr bescheinigt es ihr. Aber was bedeutet das schon, eine kleine Kraft? Diese Kraft muss ungeheure Belastungen ausgehalten haben. Ein paar Jahrzehnte später weiß man von 11 Zeugen aus der Gemeinde, die zusammen mit dem Bischof Polykarp von Smyrna den Märtyrertod erlitten habe. Auch die dortige Gemeinde in Smyrna erhält in den Sendschreiben der Offenbarung eine ähnliche Beurteilung wie Philadelphia: "Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut - du bist aber reich". Sie haben an ihrem Glauben auch unter extremsten Bedingungen festgehalten. Und das nur mit einer kleinen Kraft.
Das müsste uns eigentlich neugierig machen. Besonders, weil wir uns immer wieder damit beschäftigen, wie eigentlich unsere Gemeinde aussehen soll, damit sie in der Spur Jesu bleibt.
Wir haben heute einen Wechsel im Vorsteheramt unserer Gemeinde. Unwillkürlich zieht man auch so eine innere Bilanz. Es kann sein, dass sich mancher eine Art Rückmeldung von Jesus selbst wünscht. Sind wir auf dem richtigen Weg? Oder hast du eine Kritik? Aber wir kriegen keine solche Rückmeldung vom Thron Gottes, jedenfalls nicht so unmittelbar und direkt. Statt dessen müssen wir uns an dem orientieren, was wir aus dem Neuen Testament kennen.
[Schlüssel zeigen]
Meinen Sie, den kriegt jetzt der Herr Scheufele? - Nein, der kriegt ihn nicht. Warum, das wird gleich verraten.
Bei der Einweihung eines neuen Hauses gibt es ja meist eine Schlüsselübergabe, wenigstens bei einem öffentlichen Gebäude. So haben wir es vor etwa 2 Monaten bei der Einweihung der Riedhalle erlebt (12. Oktober). Habe ich's recht in Erinnerung: Dort war es ein gebackener Schlüssel, der dann in 2 geschnitten und übergeben wurde. Es war eine symbolische Schlüsselübergabe. Das bedeutete, jetzt habt ihr das Hausrecht. Das heißt auch, jetzt seid ihr dafür verantwortlich, was darin geschieht. Und passt gut auf, dass immer abgeschlossen wird, damit kein Unbefugter hineingeht. - Wir freuen uns darauf, dass wir dort in diesem Jahr am Heiligen Abend nachmittags feiern dürfen. Wir sind ja keine Un-be-fug-ten und treiben auch keinen Un-Fug, sondern feiern den Familiengottesdienst. Doch nachdem wir wieder aufgeräumt haben, schließen wir ab und geben den Schlüssel zurück.
Doch hier bei Jesus ist es anders. Er übergibt keinen Schlüssel. Sondern er lässt die Tür einfach offen. Jesus hat aufgeschlossen. Und dann bleibt's offen! Niemand kann zuschließen. Wo er aber zuschließt, da kriegt keiner mehr auf. Deswegen brauchen wir keinen Schlüssel, weil Jesus ihn behält, und weil wir uns auf ihn ausrichten sollen. Er ist unser Herr. Und Ämter in der christlichen Gemeinde sind nur so richtig gefüllt, wenn wir die Aufgaben darin ausüben, die uns unser Herr übertragen hat. Aufgaben und Ämter müssen sein. Sie sind auch gottgewollt. Aber wir sind immer weisungsgebunden, abhängig von ihm. Den Schlüssel behält er.
Was ist das für ein Schlüssel? - Der Schlüssel Davids. Eigentlich die Macht über das Volk Gottes. Aber wir denken eher an den Zugang zum Himmel. Jesus ist der Weltenrichter. Er ist aber zugleich die Tür zu den Schafen. Ich denke, wir sollten an beides denken: Er ist Richter und er ist der Herr unserer Herzen. Er hat den Zugang zu den Herzen der Menschen. Was er für uns getan hat, das schließt uns innerlich auf. So gewinnt er nicht nur die Menschen in christlichen Familien, wo die Eltern und Großeltern schon Christen waren. Sondern er gewinnt auch Menschen, deren Eltern mit Gott nichts am Hut hatten.
Was hat dann die Gemeinde zu tun? - Sie soll wahrnehmen, wo er aufgeschlossen hat. Sie soll so nahe an ihm sein, dass sie das merkt und spürt und mitgeht.
Die Gemeinde in Philadelphia braucht sich offenbar vor besonderen Herausforderungen nicht zu fürchten. Sie sind einfach "nur" treu. Sie bewahren das Wort Jesu und verleugnen nicht.
Die Herausforderung, die Jesus schickt, ist riesengroß. Schon in der Vergangenheit war es so, dass die Gemeinde besonders von den Juden in der Stadt hart attackiert worden war, was ähnlich auch in anderen Gemeinden der Fall war. Vielleicht haben sie ihnen vorgeworfen, dass sie das Gesetz Moses nicht halten, dass sie die jüdischen Festtage und Reinheitsgebote nicht halten und dass sie den Weg Gottes verlassen hätten. Eine Fülle von Defiziten und Fehlern. Sie tun das nicht und jenes nicht. Auch wenn wir uns nur ungefähre Vorstellungen machen können: Das konnten die Leute aus der Synagoge nicht mitmachen, dass Jesus höher als Mose und höher als das Gesetz ist, ja dass er göttliche Würde und Hoheit hat. Und genauso hat sich Jesus ja der Gemeinde vorgestellt, mit Bezeichnungen, die nur Gott selbst zustehen. Er hat sich als der Heilige und Wahrhaftige bezeichnet. Nur Gott darf so bezeichnet werden. So hat in die Gemeinde bekannt, als Herrn und Gott. Das hat sie in den Druck gebracht.
Nun die Herausforderung: Jesus wird einige schicken von genau der Gruppe, von denen die schwersten Angriffe kamen. Und das Erstaunliche: Sie werden niederfallen und erkennen, dass Jesus die Gemeinde geliebt hat.
Die kleine Kraft der Gemeinde ist so groß, dass bisherige Gegner gewonnen werden. Wer das Wort Jesu bewahrt und nicht verleugnet, geht den Gegnern nicht aus dem Weg, wenn Jesus sie schickt. Wenn Menschen für Jesus gewonnen werden, das bezeichnen wir ja sonst als Mission. Die Gemeinde betreibt schon Mission. Aber sie lässt sich die Aufgabe von ihrem Herrn zuweisen. Es ist kein eigener Aktionismus.
Vielleicht fragen manche: Sind die Christen in Philadelphia einfach nur konservativ? Halten die einfach nur an dem fest, was in der Gemeinde immer gegolten hat? - Nein, das sind sie nicht. Sie halten an Jesus und an seinem Wort fest. Ihm wollen sie treu sein, und nicht irgendwelchen gesellschaftlichen Zuständen. Darum passt für diese Gemeinde kein links-rechts-Schema. Sie sind nach oben orientiert.
Die Gemeinde hat - jedenfalls zur damaligen Zeit - keinen gesellschaftlichen Einfluss. Das soll auch nicht das Bestreben der Kirche sein, dass sie Einfluss gewinnt.
Stalin hat bekanntlich einmal gefragt: Wieviele Batallione hat der Papst? Das ist nicht nur für die katholische Kirche gemeint, sondern sozusagen stellvertretend für die gesamte Christenheit. Sie haben keine irdische Macht. Aber sie leben aus der Kraft ihres Herrn. Damit können sie sich auch in schwierigen Situationen bewähren.
Wie sollen wir das auf uns heute konkret anwenden?
Jede Zeit ist eine Zeit der Bewährung (in den Versuchungen und Verführungen der Gegenwart). Niemand kann sagen: So, jetzt sind alle Anfechtungen vorbei. Das gilt auch für die Amtszeit eines Vorstehers. Jeder hat sich in seiner Zeit zu bewähren. Wir haben nicht die gleichen Anfechtungen wie unsere Väter und Großväter. Wer ständig nur die gleichen Gefahren an die Wand malt, wird eher für die Gegenwart unfähig. Woran wir uns zu orientieren haben, ist direkt an unserem Herrn. Von ihm unser Gewissen unsere Urteilskraft schärfen lassen und unsere Geduld stärken lassen. Amen!