1. Timotheus 2, 1 - 4
Kirchenwahl - Kirchenwahl der Tiere: Es war einmal eine Gemeinde der Tiere, die wollte einen Kirchenvorstand wählen. In Scharen drängten sich die Tiere, um dieses Amt zu erhalten. Der Elefant trompetete fröhlich: Ich trample alles nieder, bitte wählt mich." Das Kamel empfahl sich, es könne alle verschaukeln und sei äußerst genügsam. Die Brieftauben bemerkten, sie seien die geborenen Gemeindebriefausträger. Der Hamster wollte gerne Finanz- und der Biber gerne Kirchbaumeister werden. Der Pinguin meinte, er würde mit seinem Kostüm eine gute Figur als Pfarrer abgeben. Das dicke Schwein beanspruchte einen Platz zur Verbreitung von Gemütlichkeit. Die Krähe bewarb sich als Kirchenmusikerin. Der Rabe spekulierte auf den Diakonieausschuss. Der Pfau glaubt, nur er käme für den Vorsitz in Frage - wegen seiner schönen Federn. Alle waren so entzückt von sich selber, dass sie die Wahl gar nicht abwarteten. Der Biber nagte sofort die Kirche an. Den Rest besorgte der Elefant. Die Brieftauben kamen vor lauter Schnäbeln nicht aus ihrem Schlag. Das Schwein legte sich in unflätigen Reden mit dem Pfau an.. Mit Grauen sahen die anderen Tiere, wie die Gemeinde zugrunde ging. In höchster Not läutete der Pinguin die Glocke zur Gemeindeversammlung. Alle waren sich einig, so könne es nicht weitergehen. (…)
Aber wie soll es denn weitergehen? Lesen Sie die Geschichte zu Ende. Ich stell Sie ins Internet (www.betsaal.com)
Was ist dran? Wer hat das beste für die Gemeinde? Was tun? Was lassen? Die gleichen Fragen, wie damals in Ephesus:
Die Zeiten waren schlimm. Es gab keine klare Linie, jeder lebte, wie es ihm gefiel, fremde Einflüsse gewannen an Boden, und viele Gemeindeglieder waren verunsichert. Wussten nicht mehr, auf wen sie hören, wem sie folgen sollten. Denn es hatten sich unterschiedliche, sogar gegensätzliche Strömungen entwickelt, heidnische Sitten und Bräuche waren wieder aufgelebt und hatten ihren Platz in christlichen Gottesdiensten gefunden. Was sollte gelten? Was sollte in Angriff genommen werden? Was ist zu tun? Was ist zu lassen? In diese Situation hinein kommt Timotheus in die Gemeinde in Ephesus mit einem Brief von Paulus, der sagt:
(Predigttext lesen: 1. Timotheus 2, 1-4)
4 Dinge sind dran, vor allem!
Deäsis, "Bitte": Flehen, Klageruf, Gebetsklage, das Schreien um Hilfe. Das Flehen und Rufen im Gebet zu Gott für, mit und stellvertretend für einen anderen. Meint: wir können uns mit den anderen zusammenschließen. Wir vereinigen uns mit ihnen. Stellen uns hinter sie. Wir unterstützen ihr Anliegen, indem wir es im Gebet zu unserem Anliegen machen. Es ist nicht nichts, was wir gegen weltweite Ungerechtigkeit, gegen Völkermord und Krieg, vor allem aber für bedrohte und verfolgte Christen tun können. Wer für sie um Hilfe schreit im Gebet, setzt sich für sie ein. Es geht um eine brüderliche Haltung, mit der ein Christ für den andern vor Gott einsteht. Dieses Gebet ist eine Form, ein Mittel, ein Zeichen der herzlichen Verbundenheit und Gemeinschaft der Christen untereinander. Christliche Gemeinde zeichnet sich dadurch aus, dass ein Verbundnetz existiert. Globalisierung ist für die christliche Gemeinde kein Fremdwort. Es ist selbstverständlich.
Proseuchas, das demütige Beten. Die innere Haltung dessen der betet, ist die der Demut. Wenn im neuen Testament Demut beschrieben wird, wird sie anhand von Christus demonstriert. Christus, der "Knechtsgestalt annahm und den Menschen gleich wurde, weil er sich selbst erniedrigte und gehorsam war bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz". Das ist das Urbild eines demütigen Menschen. Die Motivation zur Demut ist die Wertschätzung und die Hochachtung vor dem anderen. Weil Christus den Menschen hoch achtet, wertvoll achtet, demütigt er sich. Begibt sich auf Augenhöhe. Gebet für andere Menschen hat etwas mit meiner Wertschätzung zu tun. Gebet hat nichts mit Heimzahlung zu tun. Im Gebet hat kein Platz, was Hochmut gegenüber anderen enthält. Etwa wie im Gebet des Pharisäers: Lukas 18, 11: "Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner." Auf den Punkt gebracht: das demütige Gebet setzt voraus beziehungsweise bedeutet die Hochachtung und Wertschätzung dessen, für den gebetet wird. Hier wird unser Denken übereinander und voneinander trainiert. Hier wird trainiert, wie und dass man mit Wertschätzung und Hochachtungsvoll vom anderen denkt und mit ihm umgeht. Ein Mensch, der nicht mehr betet, dem ist nichts mehr etwas wert. Einem Volk, das nicht mehr betet, ist nichts mehr wertvoll, nichts mehr heilig. Und wir erkennen das in den neusten Berichten über die Gesellschaft Dignitas. Kann jemand demütig beten, wenn er Sterbehilfe als Grundrecht im Grundgesetz verankern will? Christliche Gemeinde zeichnet sich durch diese Wertschätzung und Hochachtung vor jedem Glied am Leibe Christi aus. An der Liebe zueinander, an der gegenseitigen Hochachtung, an der Wertschätzung wird die Qualität von Gemeinde gemessen.
Enteuxis: Eingabe, Bittschrift. Eine ganze Gemeinde macht es zu ihrer vorrangigen Sache. Sie reicht an höchster Stelle eine Petition ein. Mit geballter Macht stellt sie sich hinter eine Sache. Setzt sie sich für eine Sache ein. Denken Sie an die Friedensdekade. Gestern Abend wurde im Ulmer Münster die 28. Ökumenische Friedensdekade eröffnet. Seit 28 Jahren gibt es diese Friedensdekade. In der ehemaligen DDR hat es angefangen. Von einem Unternehmen der kirchlichen Jugendarbeit ist die Friedensdekade zu einer Sache der gesamten Gemeinde geworden. (Das müsste doch für die in der Jugendarbeit hoch interessant sein, einmal diese Friedensdekade geschichtlich anzuschauen und sich der Frage zu stellen: wie wird ein Unternehmen der Jugendarbeit zu einer Sache der gesamten Gemeinde.) Da stellt sich für die Gemeinde die Frage: für was stehen wir? Was haben wir auf dem Herzen? Wo sprechen wir wie mit einem Mund aus einem Herzen und aus einer Seele? Wo haben wir als Gemeinde eine Leidenschaft entwickelt?
Bevor mit irgendwas in der Gemeinde begonnen wird, bevor Konzepte, Gottesdienste, Parolen usw. entwickelt werden, tue die Gemeinde vor allem: sich einigen, sich formieren, sich bilden, sich etwas aufs Herz nehmen. Vor den 1000 Baustellen braucht es eine Weichenstellung. Eine grundsätzliche Einstellung. Die uns vereint, die wir hoch halten. Evtl. ist das in Wilhelmsdorf von Anfang an und weiterhin der Einsatz der Gemeinde für Diakonie: für Menschen, die bei uns Heimat finden. Luther sagte einmal: Wenn du ein Kind siehst, hast Du Gott auf frischer Tat ertappt. Ich möchte es umwandeln: Wer einen Menschen aus dem Rotachheim sieht, hat Gott auf frischer Tat ertappt. Wer einen Patienten vom Ringgenhof sieht, hat Gott auf frischer Tat ertappt. Wer einen Schüler aus der GVS sieht, hat Gott auf frischer Tat ertappt. Wer einen Menschen aus dem Seniorenzentrum sieht, hat Gott auf frischer Tat ertappt. Könnte das die Bittschrift, die Eingabe, die Petition unserer Brüdergemeinde sein, die wir an Gott richten: sich für das Recht und für das Leben, für die Würde und das Heil der uns anvertrauten Menschen in der Diakonie einzusetzen. Stark zu machen. Verstehen Sie, warum Paulus schreibt: vor allem anderen tut diese 4 Formen von Gebet. Da gibt sich Gemeinde Sinn und Ziel. Da gibt sich Gemeinde eine Identität. Da wird Gemeinde öffentlich, weil sie sich lautstark stark macht.
Euchxaristia: Danksagung. Das steckt das Wort xaris drin: meint im griechischen das Gefühl der Freude. Verbunden mit der Vorsilbe eu meint es dann also: die Freude konkret werden lassen, die Freude leben durch Danksagung, Dankerweisung, Dankbezeichnung.
Dankbar sein heißt, die Dinge positiv zu sehen. Zu den Dingen eine possitive Einstellung zu bekommen. Selbst zu den schwersten Dingen des Lebens. Wer die Dinge positiv denken kann (danken kommt von denken), der gewinnt die Macht über die negativen Gedanken. Längst weiß man in der Medizin dass sich ein positives Gefühl auch auf unsere Gesundheit auswirkt.
Was Paulus damals schon angedeutet hat, das belegt und beweist heute Psychologie, Immunologie, Neurologie auf ganzer Linie: wer dankbar ist, sprich, eine positive statt negative Sicht und Einstellung zu den Dingen, der führt "ein ruhiges und stilles Leben." Tut Danksagung für alle Menschen, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen.
Paulus sagt an anderer Stelle - wohl weil er wie später die Medizin 2000 Jahre vorher schon weiß, dass uns das maßgeblich beeinflusst, 1. Thessalonicher 5, 18: seid Dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch." Und wisst bezüglicher aller Dinge: "dass denen, die Gott lieben, alle dinge zum Besten dienen." (Römer 8, 28)
Alfred Stielau-Pallas, Autor des Bestsellers "Die Macht der Dankbarkeit" erzählt, dass er über einen Bibelvers immer gestolpert sei: "Wer hat, dem wird gegeben. Wer nicht hat, dem wird genommen, was er hat." Erst durch die Dankbarkeit erschloss sich für ihn der Sinn, und er formulierte das Wort Jesu um: "Wer die Dankbarkeit hat, dem wird gegeben. Wer die Dankbarkeit nicht hat, dem wird genommen, was er hat."
Um was geht es in der Gemeinde Jesu im Jahr 2007? Am 11.11.? Es geht um ein vierfaches Programm: Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung. Kirche ist, wo Gemeinde lebt. Gemeinde lebt, wo vor allem Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen geschieht.