Lukas 17, 5+6
5Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!
6Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.
Einfacher geht es fast nicht! Stärke uns den Glauben!Die Jünger haben es nötig gehabt und wir auch. Die Jünger: Sie haben mit Jesus unvorstellbare Dinge erlebt. Es sagt sich so schnell dahin. Aber das war doch unerhört. Jesus zog mit seinen Jüngern durch die Dörfer und Städte. Kranke kamen zu ihm, und er heilte sie.
Kranksein ist schlimmer als Hunger; nicht Grippe oder irgendeine Infektion, sondern wo es sich um eine schwere Krankheit handelt ohne Aussicht auf Heilung. Da fühlt man sich total ausgeliefert, hilflos. Das Leben ist radikal verändert. Eng. Wer wirklich krank ist, der ist nicht mehr der Mensch, der er als Gesunder war. Und unzählige Menschen hat Jesus wieder dem Leben zurückgegeben. Sie dürfen wieder wirklich und echt am Leben teilnehmen, sie dürfen auch wieder an der Gemeinschaft teilnehmen. Das alles haben die Jünger miterlebt.
Sie haben erlebt, wie er der Herr über Sturm und Meer ist. Sie haben erlebt, wie er über Dämonen gesiegt hat und Tote auferweckt hat. In dieser Zeit haben die Jünger auch ihre eigenen Grenzen deutlich erlebt. Sie hatten so jämmerlich versagt, als sie einen besessenen Knaben heilen wollten. Es ging einfach nicht. Sie waren blamiert. Jesus war damals von seinen Jüngern enttäuscht, vielleicht sogar ein wenig zornig. Du ungläubige Art, wie lange soll ich euch dulden?
Oder Petrus: Er hatte den Mut, auf dem See zu wandeln. Aber dann ist er auch kläglich gescheitert. Die Jünger haben einen drastischen Unterschied erlebt: Was Jesus ihnen vorgelebt hat, und wie sie mit ihrem eigenen Glauben scheiterten, an Grenzen kamen, und oft nicht das erfuhren, was Jesus ihnen versprochen hatte. Er hatte ihnen doch Vollmacht über Krankheiten und Dämonen gegeben. Und diese Vollmacht bewahrheitete sich oft nicht. Die eigenen Grenzen und die eigene Bedürftigkeit merkt man eigentlich erst im Tun so richtig. Solange man im Wohnzimmer sitzt, merkt man das nicht. Aber wenn man sich aufmacht und einen 3000er besteigen will, da spürt man: Der Kreislauf macht das nicht mit.
Bei den meisten passiert das auch bei einer oder zwei Kategorien drunter. Wenn du was ausprobierst, merkst du, das geht nicht. Jesus zuschauen bringt die Jünger und die andern dazu, dass sie sich verwundern. Aber beim eigenen Versuch, es Jesus nachzutun, da merken wir: Wir sind unheimlich klein und arm und bedürftig. Doch dann geht es nicht nur ums Tun, sondern auch um uns selbst. Der Abschnitt vorher handelt von der Vergebung unter Menschen.
Zum wiederholten Mal sollen wir einander vergeben. Wer kann das? Die Jünger hatten offenbar ihre Zweifel, ob sie das könnten. Auch wenn der Verstand und der Gehorsam noch so sehr vergeben will: Es kann uns den Hals abschnüren, wenn wir vergeben wollen. Die Gefühle gehen nicht mit. Deswegen: Stärke uns den Glauben. Denn der Glaube soll doch ein neues Verhältnis zu Gott schaffen, ein neues Verhältnis zu den Dingen dieser Welt und zu den Mitmenschen, und er soll auch für uns ein neues Herz schaffen. Tut das der Glaube?Das alles tut nicht der Glaube, sondern Gott. Und die Frage ist nicht, ob wir das unserem Glauben zutrauen, sondern ob wir es Gott zutrauen.
Das Glauben ist zumeist nicht ein Charakteristikum von Menschen mit einem wuchtigen Selbstbewusstsein, sondern von solchen, die Gott oder Jesus alles zutrauen. Jesus hat von dem Hauptmann von Kapernaum gesagt: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. (Matth. 8, 10)Der Frau aus der Gegend von Tyrus und Sidon sagte er: Dein Glaube ist groß. (Matth. 15, 28)
Bei seinen Landsleuten aus Nazareth, wo er aufgewachsen war, heißt es, dass er sich über ihren Unglauben verwunderte. (Mk 6,6). Und Jesus zog es deshalb vor, zu den anderen zu gehen, die ihm nicht so nahe standen. Nicht unser Glaube ist es, der Berge versetzt oder Bäume ausreißt und ins Meer versetzt, sondern es ist Gott. Er tut's dann, wenn wir ihm vertrauen. Eine kleine Gruppe von Christen hat im römischen Reich die dekadente Gesellschaft überwunden, unter blutigen und entschlossenen Verfolgungen. Sie haben Jesus einfach nur die Treue gehalten.
Es war nicht ihr Ziel, irdisch mächtig zu werden oder gesellschaftlichen Einfluss zu bekommen. Sondern sie haben sich in ihrem Vertrauen nicht irre machen lassen, dass ihm alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist. Jesus hat zu denen gehalten, die ihm vertraut haben. Die ihm aber misstraut haben, von denen hat er sich zurückgezogen. Es gab viele andere, die ihm vertrauten. Deswegen hat er sich von den Leuten in Nazareth zurückgezogen und ist hat einfach anderen seine Botschaft verkündigt und andere geheilt. Deshalb ging das Evangelium später von den Juden weg. Paulus hatte sich zunächst auch immer als erstes den Juden zugewandt.
Doch als sie gegen Jesus aufriefen und Aufstände machten, da ging es von ihnen weg. Aus demselben Grund ging das Evangelium später von den christlichen Ländern in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel weg. Sie haben sich in Rechthaberei geübt und Jesus nichts mehr zugetraut. Später in der Türkei das gleiche. Die einst christlichen Länder in Europa trauen Jesus nichts mehr zu, und zwar nicht nur die Atheisten, sondern auch die Christen. Wir sind diejenigen, deren Glaube gestärkt werden muss. Was sollen wir denn tun? - Zu unserem Glauben stehen und ihn bekennen.
Der Trend in der Gesellschaft war in den letzten Jahren zunehmend gegen den christlichen Glauben, und zwar nicht nur insgesamt, sondern auch in Wilhelmsdorf. Christen lassen sich gegeneinander aufbringen. Die Gemeinschaft wird geschwächt. Wir brauchen eine deutliche Hinwendung dazu, einander den Glauben zu stärken und eine Abkehr von dem, den Glauben anderer in Frage zu stellen, oder andere Glaubensstile anzugreifen. Wir müssen Unterschiede nicht übergehen. Aber sie sind nicht so wichtig wie die Gemeinsamkeiten. Einander den Glauben stärken heißt, sich Mut zu machen auch bei Misserfolgen, und alles Vertrauen auf Jesus setzen. Nicht wir und unsere evtl. Fehler sind entscheidend, sondern Jesus. Amen!