Lukas 7, 36-50
Jesus kehrt ein bei einem Pharisäer namens Simon. Hier ist ein Name genannt. Hier wird ein Einzelner mit seinem Namen angesprochen.
Man kennt uns im Himmel. Die Engel, die Geister Gottes, wenden uns Aufmerksamkeit zu und zwar so, dass sie um jeden einzelnen wissen.
Der Reformator Calvin vergleicht einmal unsere Erde mit der kreisrunden Bühne eines Theaters des Altertums. Auf dieser Bühne - sagt er - spielt sich das ganze Weltgeschehen ab mit all seinen Aufständen, Kriegen und Umstürzen, seinen Erdbeben und Sturmfluten. Aber es spielt sich da auch ab, was sich im Leben jedes Einzelnen ereignet. Jeder von uns betritt diese Bühne der Welt für einige Zeit und spielt hier die Rolle seines Lebens, als Mann, als Frau, in Glück und Unglück. Aber, sagt Calvin, rund um uns steigen Ränge und Sitzreihen an, auf denen die ganze himmlische Welt versammelt ist und uns zu sieht und zwar nicht unbeteiligt sondern sehr Anteil nehmend. Der Himmel ist über uns aufgetan und ist uns ganz nah. Engel sehen dich an, du lebst dein Leben vor den Augen der Menschen und vor den Augen der unsichtbaren Welt. Hast du das schon bedacht, dass Nachrichten, Informationen über dich vorliegen im Himmel? Dass man sich dort Gedanken macht über Dich? Dass man dort traurig sein könnte deinetwegen oder sich freuen könnte über dich? Soweit Calvin.
Der Herr sagt uns in diesem Text, welche Art von Nachrichten im Himmel mit besonderer Erwartung aufgenommen wird. Es sind nicht die Sportnachrichten, die Tour de France oder der Fußball. Es ist auch nicht die Rubrik über Unglücksfälle oder Wirtschaftsnachrichten. In den Augen des Himmels ist etwas ganz anderes wichtig: Was im Verborgenen des Herzens und in unseren Köpfen vor sich geht. Es sind Dinge, die man nicht in der Zeitung liest und die nicht im Fernsehen kommen.
Jesus sagt: Wenn es geschieht, dass ein Sünder auf Erden Buße tut, dann wird das in der Ewigkeit als wichtiges Ereignis wahrgenommen. Es ist eine Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut. Gott hat ein Auge für alle Tränen, für alles Leid auf Erden, aber ganz besonders sieht er das Weinen und sich freuen eines Menschen, der umkehrt in seine offenen Arme.
Nun hören wir in unserem heutigen Text von einer solchen Begebenheit. Simon lädt Jesus in sein Haus zur Tischgemeinschaft ein. Er und seine Angehörigen hatten wohl ein offenes Haus, vermutlich einen Hof mit einer Säulenhalle, so dass jeder zutreten konnte.
Warum hat Simon Jesus eingeladen? Was war sein Motiv? Wollte er Jesus prüfen, ob er ein großer Prophet ist? Im Vers 16 unseres Kapitels, nach der Auferweckung des Jünglings zu Nain, heißt es: Und die Furcht ergriff sie alle. Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden. Wer ist Jesus? Eine Frage, die sicher schon alle von uns auch stellten.
Und siehe, eine Frau, welche in der Stadt als Sünderin bekannt gewesen war, und erfahren hatte, dass Jesus im Hause des Pharisäer Simon zu Gast sei, brachte ein Fläschchen voll Salböl herbei. Und während sie weinend von hinter her sich seinen Füßen näherte, fing sie an, mit Tränen seine Füße zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen und seine Füße zu küssen und mit Salbe zu salben.
Sicher hatte sie schon vor dieser Begegnung die Wohltat der Vergebung erfahren. Diese Begegnung war die große und tiefe Dankbarkeit, die sie ohne Worte zum Ausdruck brachte. Sie sprach nicht ein einziges Wort. Ihre Augen und Hände sprachen eine deutliche Sprache. Bei dieser Frau war die Zunge still, das Herz aber laut in innerer Bewegung in Liebe, Anbetung und Dankbarkeit zu ihrem Herrn.
Aber der Pharisäer Simon sprach bei sich selbst:
Wenn dieser ein großer Prophet wäre, hätte er erkannt, was für eine Frau, was für eine Sünderin das ist.
Simon hörte nicht ein Wort, aber er sah. Er hatte Menschenkenntnis. Er sah es den Menschen an, in welche Schublade sie bei ihm kommen.
Bei all seiner Gerechtigkeit - und doch wie lieblos sind seine Gedanken. Jesus kennt seine Gedanken. Er erzählt Simon ein Gleichnis:
Einer schuldet seinem Gläubiger 500 Silbergroschen, ein anderer 50 Silbergroschen. Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er's beiden. Wer wird den Gläubiger am meisten lieben?
Simon: der , dem er am meisten geschenkt hat.
Dieses Gleichnis zeigt die Haltung sowohl der Frau wie auch Simon's.
Simon, der dem Herrn, seinem geladenen Gast, bei dem kühlen Empfang weder Wasser zum Fußbad, noch einen Kuss zum Willkommensgruß, noch Öl für sein Haupt gab, wie das damals Sitte und Anstand war, wird auf die begnadigte Sünderin hingewiesen.
Der Grund der Dankbarkeit der großen Sünderin war mit den Worten angedeutet: Deswegen sage ich dir, ihre viele Sünden sind ihr vergeben, denn sie liebt viel.
Wie beim Schuldner zuerst der Nachlass der Schuld kommt und dann die dankbare Liebe, so kommt bei Gott von sich aus die Vergebung der Sünden und die Erlösung durch sein Blut und dann erst das neue Leben der dankbaren Liebe zum Herrn, die sich in den Werken des Glaubens zeigt.
Der Pharisäer war sich kaum einer Schuld bewusst. Wozu hätte er eines Heilands seiner Sünde bedurft? Er denkt, er hat wenig Sünde und braucht darum wenig Vergebung und liebt deshalb den Herrn weniger. Er war selbstgerecht im Bewusstsein seiner Tugend und seiner guten Taten.
Wir müssen nicht erst in tiefe Sünde fallen, um große Vergebung nötig zu haben. Wir sind alle, auch die Besten und Frömmsten, vor Gott 500 Silbergroschen schuldig.
Jetzt kommt das entscheidende. Jesus spricht zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Gehe hin in Frieden. Allen, die Jesus vertrauen und an ihn glauben, dürfen der Vergebung ihrer Sünden bewusst sein. Das bringt Veränderungen und wirkt, dass der Glaube in der Liebe tätig ist.
Gedicht von Wilhelm Thumm (1869) um Gemeindegliedern Mut in der tätigen Liebe zu machen:
Amen