5. Mose 8, 6-14a
6So halte nun die Gebote des Herrn, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest. 7Denn der Herr, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, 8ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, 9ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust. 10Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den Herrn, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. 11So hüte dich nun davor, den Herrn, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. 12Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst 13und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, 14dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst.
Neulich habe ich einen neuen Rasenmäher kaufen müssen. Es war allerhöchste Zeit. Der Rasen hatte es dringend nötig, wieder gemäht zu werden. Der alte war schon länger kaputt - nicht der Rasen, sondern der Rasenmäher. Diesmal habe ich einen elektrischen gekauft. Der ist relativ leicht und pflegeleicht. Aber da gibt es so allerhand Tücken. Man muss gut auf das Kabel aufpassen. Ja niemals über die Stelle fahren, wo das Kabel liegt. Und wie bei allen Rasenmähern heißt es: Vermeide die herausstehenden Steine und die Wurzelstöcke. Aber wenn man das und einige andere Dinge beachtet, wird er vermutlich lange seinen Dienst machen.
Auch eine Perlenkette hat ihre Vorschriften: Lege sie nie auf einen harten Untergrund, sondern z.B. auf ein weiches Samtkissen. Dann behalten die Perlen ihren Glanz und werden nicht stumpf.
Gott hat dem Volk Israel ein Land versprochen. Da soll alles in Hülle und Fülle wachsen und gedeihen. Doch geht pfleglich damit um! In diesem Land soll es nicht nur etwas zu essen geben. Dort soll sich das Leben entfalten können. - Aber fahr nicht über das Kabel und leg die Perlen auf keine harten und rauen Untergrund. Sonst hast Du keine lange Freude daran!
Für den Umgang mit der Natur, das haben wir schon eine Weile begriffen, da gelten Regeln. Wir können nicht lange aus der Natur etwas herausholen, wenn wir die Grundlagen missachtet haben. Die ökologischen Zusammenhänge wirken sich aus. Wenn man Schädlinge umbringen will und die Nützlinge mit erwischt, dann kommt die Natur aus dem Gleichgewicht. Man hat in der Landwirtschaft vor einigen Jahrzehnten mit scharfen Giften gespritzt. Man tut das heute nicht mehr, weil der Schaden größer ist als der Nutzen.
Nun sagt Mose im Grunde: Das gilt für das ganze Leben, nicht nur für den Umgang mit dem Boden und den Pflanzen. Gott hat uns nicht nur unsere Nahrungsmittel gegeben. Sondern unser ganzes Leben ist von ihm.
Ich will mir dabei ein wirkliches Geschenk vorstellen, in verschiedenen Paketen überreicht. Ein Paket sind die Nahrungsmittel. Ein anderes das Wohnen. Andere Pakete kommen dazu: Das Zusammenleben mit anderen Menschen, wo wir das Leben und das Hab und Gut des anderen achten und schützen sollen, dann das Zusammenleben in der Ehe und Familie, im Arbeitsleben und in der Öffentlichkeit. Aber jedes von diesen Paketen hat von Gott mit Gebrauchsanleitungen versehen. Wenn wir diese nicht einhalten, geht es uns schlecht. Es ist dumm, wenn man erst negative Erfahrungen machen muss, wie wir vor 20, 30, 40 Jahren schlechte Erfahrungen durch falschen Umgang mit der Natur gemacht haben, und immer noch Fehler machen. Leider lernen die Menschen oft erst durch die negativen Erfahrungen.
Doch Gott sei's gedankt: Noch haben viele Menschen Gott nicht vergessen. Und wir haben auch den Zusammenhang nicht vergessen, dass Gott uns seine Schöpfung, unsere Mitmenschen und unsere Gemeinschaft als ein schützenswertes Gut anvertraut hat, von dem wir nachhaltig leben sollen, wir und unsere Kinder und Enkel.
Auch Mose spricht nicht vor einer zerfallenen Gemeinschaft. Sondern sie besteht noch! Durch harte und schwere Erfahrungen in der Wüste wurden sie zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt. Dabei haben sie die Güte und die Strenge Gottes kennengelernt. Die Leute sind bereit, von Gott große Geschenke überreicht zu bekommen: Das Land mit seiner großen Fruchtbarkeit. Alles, was man braucht, gibt es in Hülle und Fülle. Da werden die Getreidesorten aufgeführt, die Früchte und sogar der Honig. Da werden Bäche, Quellen und Seen genannt; und auch eisen- und kupferhaltiges Erz. Davon werden Gebrauchsgegenstände und kulturelles Gut hergestellt, wie z.B. Schmuck. Sicher ist das nur eine exemplarische Aufzählung. Man müsste es gedanklich noch durch vieles andere ergänzen. Da ist kein Mangel, sondern mehr als genug. Dafür soll man den Dank gegen Gott nicht vergessen.
Wenn man an den Dank erinnert, dann wirkt es für viele so moralisch, wie mit einem erhobenen Zeigefinger. So hat die Großtante uns immer ermahnt, wenn sie uns eine Tafel Schokolade geschenkt hat: "Wie sagt man?"
Mose ist weit von diesem großtantenhaften Verhalten entfernt. Sondern beim vergessenen Dank lauert eine große Gefahr: Überhaupt den Schöpfer zu vergessen. Wenn Du nicht dankst, dann hast Du Dich auch schon selbst zum Herrn über die Natur und deine Umwelt gemacht. Wer den Dank vergisst, macht sich damit schon stillschweigend selbst zu Gott. Darum hüte Dich, Gott zu vergessen. Wer Gott vergisst, der verbaut sich selbst den Weg zum Leben.
Das gilt natürlich nicht nur für Landwirte vor der Ernte. Sondern das gilt für alle. Auch wenn wir die Lebensmittel im Laden kaufen, es sind Geschenke von Gott. Und was wir bezahlen, ist nur der Anteil, den die Menschen an Arbeitskraft, an Lager- und Logistikkosten und an sonstigem Geld hineinstecken. Das Lebensmittel selbst bekommen wir geschenkweise von Gott. Es erhält uns am Leben. Das ist's, wofür wir danken.
Wir feiern Erntebittgottesdienst miteinander, Landwirte und Nicht-Landwirte. Wir bitten Gott um einen guten Verlauf der Ernte. Dass eine gute und gesunde Ernte eingebracht wird, dass Gott das entsprechende Wetter schenkt, dass dies möglich ist; und dass die Menschen vor Schaden und Gefahr beschützt werden.
Für die Landwirte bedeutet diese Zeit eine Zeit ganz besonderer Anspannung. Viele Menschen kennen Zeiten, wo man sich auf eine einzige Sache konzentrieren und alles andere vergessen muss. Wenn man im Abitur drin hängt, wenn man die Hochzeit vorbereitet, oder wenn man einen Karren aus dem Dreck ziehen muss. Da gilt es, nicht links und rechts zu schauen, sondern voll bei der einen Sache zu sein.
Für die Landwirtschaft gilt demnächst: Volle Konzentration auf die Ernte. Denken wir dran: Wir Menschen holen nur das Geschenk Gottes ein. Er ist der Erhalter unseres Lebens. Amen.