Apostelgeschichte 2, 22-39 - Aus der Pfingstpredigt des Petrus

28. Mai 2007 - Gottesdienst an Pfingstmontag Kapellenfest
Nassachhof um 10.00 Uhr
Pfr. Dr. Karl Knauß

22Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst - 23diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht

. 32Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen. 33Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört. 34Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst: "Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, 35bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache." 36So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.

37Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? 38Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. 39Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.

Das ist ein Auszug aus der Rede des Petrus an Pfingsten in Jerusalem, wahrscheinlich im Jahr 30 n. Chr.
Es ist eine waghalsige Situation: Die Jünger hatten sich ja nach der Kreuzigung Jesu zunächst versteckt. Sie hatten Angst, man würde auch mit ihnen als Anhängern Jesu kurzen Prozess machen. Deswegen gingen die Jünger zunächst einmal in den Untergrund.

Aber dann ist ihnen der auferstandene Herr begegnet. Die 40 Tage bis zur Himmelfahrt Jesu haben ihr Leben total umgekrempelt. Dann hat sich Jesus von ihnen verabschiedet und ihnen gesagt: Mir ist gegeben alle Vollmacht im Himmel und auf Erden...

In dieser Situation war die Angst von den Jüngern verflogen. Weil er wirklich auferstanden ist und lebt, und wenn er tatsächlich alle Vollmacht hat, dann war es doch eigentlich egal, was mit ihnen geschehen würde. Dann konnte doch nur noch geschehen, was er zulässt.

Wie lebt es sich denn, wenn man alle Angst im Leben verloren hat? Kann man sich das überhaupt vorstellen?

Jedenfalls, die Rede des Petrus war geradezu frech. Die Zuhörer waren ja Betroffene. Die waren mitverantwortlich für den Tod Jesu. Vielleicht haben einige mitgeschrien, als Jesus der Prozess gemacht wurde, vielleicht wurden sie von den anderen mitgerissen in dieser Stimmung gegen Jesus, vielleicht haben sie auch nur geschwiegen.

Ich habe mich gefragt, wie hättest du denn als Zuhörer auf diese Rede reagiert? Als jemand, der irgendwie mit drinhängt? Würde ich mir das gefallen lassen, so öffentlich des Unrechts angeklagt zu werden?

Wie reagieren denn die Leute heute schon auf Doping-Vorwürfe bzw. Enthüllungen? Das läuft gerade im Radsport. Man hat fast den Verdacht, dass da eigentlich die meisten mitgemacht haben. Aber keiner gibt's zu; jedenfalls zunächst nicht. Wer schuldig ist, darf es nicht zugeben. Sobald er's zugibt, muss er mit Konsequenzen rechnen.

Realistisch gesehen wäre auch damals bei der Rede des Petrus in Jerusalem nicht damit zu rechnen, dass die Betroffenen ihre Schuld zugeben. Sie müssten eigentlich sagen: Ich war's nicht! So reagieren die Leute heute, so haben sie damals reagiert.

Der Heilige Geist hat bewirkt, dass es nicht dazu gekommen ist. Er hat Petrus und den anderen Jüngern den Mut gegeben. Er hat auch den Zuhörern den Mut gegeben, zu bereuen. Der Heilige Geist hat mit unserem Mut zu tun. Frei dazu stehen, was war. Keine Angst haben. Auch keine Angst, Schuld zuzugeben. Zu sehen, wie es wirklich war.

Petrus blendet zurück:
Die Leute haben mitbekommen, als Jesus als Wanderprediger durch das Land zog. Sie haben seine Taten und Wunder gesehen und sie haben seine unvergesslichen Reden gehört.

Das einfache Volk hat sich gesagt: Das muss der Messias sein. Es kann doch nicht einfach jemand so mir nichts dir nichts herkommen, und einen kranken Menschen heilen oder einen Toten auferwecken oder den Sturm zum Schweigen bringen. Wer das alles tut, der muss mit Gott in enger Verbindung stehen. Das muss der Messias sein. Und glaubwürdig war er auch!
Aber dann gab es Probleme. Die geistlichen Führer sagten: Das ist ein Betrüger. Er steht sogar mit dem Teufel im Bund.
Wem sollten sie denn nun glauben? Dem, was sie selbst gesehen und gehört und erlebt hatten? Oder dem, was die Oberen behaupteten?

Eigentlich sind die Leute nicht so blöd, dass man ihnen ein X für ein U vormachen kann. Aber sie hatten nicht den Mut, zu dem zu stehen, was sie gesehen hatten. Dann machten sie mit, vielleicht erst mit halbem Herzen. Und schließlich glaubten sie es doch. Ja, vielleicht ist er ein Betrüger.

Aber nun war er doch auferstanden. Viele Jünger haben das bezeugt. Und niemand konnte leugnen, dass das Grab leer war. Das lag nahe bei Jerusalem. Jeder konnte sich davon überzeugen. Vermutlich waren viele sogar dort und haben sich selbst davon überzeugt.

Doch anscheinend gab es keine Untersuchung, die nach dem angeblich gestohlenen Leichnam Jesu suchen sollte. Statt dessen wurden nur Gerüchte in die Welt gesetzt. Aber in jenen Tagen war es lebensgefährlich, diesen Gerüchten zu widersprechen. Sag ja nichts, sonst stehst du auch auf der Abschussliste. Also fehlte der Mut, wirklich zu sagen, was mancher ahnte.

Dann trat Petrus auf; und die anderen Jünger auch. Öffentlich sagten sie, dass Jesus auferstanden ist; und dass sie ihn gesehen haben; dass sie vieles mit ihm gesprochen haben. Und die hatten einen solchen Mut. Das ist doch nicht normal. Die hatten keine Angst.

Und dann waren da noch die Zeichen Gottes an Pfingsten.
Petrus hat die Leute nicht überredet, dass sie doch ihre Schuld bekennen sollten. Sondern sie kamen selber und haben gefragt: Was sollen wir denn tun? Es hat ihnen selbst keine Ruhe gelassen. Das war Gott selbst durch seinen Heiligen Geist. Er redet mit uns innerlich.

Ich glaube, das ist das wichtigste Wunder und Zeichen an Pfingsten: Dass der Heilige Geist den Menschen den Mut gegeben hat. Den Jüngern, dass sie Jesus als den Auferstandenen bezeugten, und den anderen, dass sie sich von Gott aus ihrer Schuld herausreißen ließen. Der Heilige Geist ist ein Geist des Mutes und der Offenheit. Amen.

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