Jesaja 25, 6-9
An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu. Aber sie nützt uns nichts, wenn wir nicht auch auferstehen. Wenn wir nicht auch auferstehen würden, dann könnte Jesus 100 mal auferstanden sein, und es hätte für uns keinen Sinn. Doch Jesus ist deshalb auferstanden, damit auch wir auferstehen werden. So ist es auch das Zeugnis des Neuen Testaments. Im 1. Korintherbrief schreibt Paulus ausführlich, wie beides zusammengehört: Christus ist der erste bei der Auferstehung. Wir kommen danach auch zur Auferstehung.
Und darum: Immer, wenn wir von Ostern reden, von der Auferstehung Jesu, dann sind wir Mitbetroffene. Es geht uns direkt an. Heute geht es vor allem um die Folgen von Ostern; also um uns und unsere Auferstehung.
Und das steht schon im Alten Testament als Verheißung:
6Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. 7Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. 8Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat's gesagt. 9Zu der Zeit wird man sagen: "Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil."
Gott macht ein riesiges Fest. Nicht nur so ein kleines Fest, wie wir es alljährliche an Ostern feiern, in kleiner Schar im Familienkreis. Sondern es ist das endzeitliche Fest. Alle Völker sind dazu eingeladen. Ein Fest, das alle bisherigen Vorstellungen sprengt.
Das ist wohl auch jenes Fest, mit dem Jesus einmal das Himmelreich vergleicht, nämlich in dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl ( Matth. 22, 1ff). Er hat viele Gäste dazu eingeladen. Doch einige ehrenwerte Leute haben das Fest verschmäht. Deshalb hat er auch die an den Hecken und Zäunen eingeladen. Und sie kriegen beim Hereinkommen ein Festkleid. Sie werden von Jesus würdig gemacht. In ihren eigenen Kleidern wären sie nicht hineingekommen. Aber sie haben die Kleider der geschenkten Gerechtigkeit. Und so dürfen sie mitfeiern. So hat Jesus dieses Fest beschrieben - ein Wunder, dass wir dazu eingeladen sind.
Dass Gott den Tod vernichten wird, das hat er sich schon längst vorgenommen. Vor Urzeiten! Jesaja hat er's mitgeteilt. Paulus kannte diese Bibelstelle gut. Als er seinen Brief an die Gemeinde in Korinth schrieb, zitierte er daraus - und jubelt. Das Fest hat schon angefangen. Denn Jesus ist schon durch den Tod hindurch und lebt. Der Tod hat also schon an der entscheidenden Stelle verloren.
Die Nachfolger Jesu damals waren überhaupt nicht leichtgläubig, eher skeptisch. Sie gingen nicht mit fliegenden Fahnen mit, als sie hörten, dass Jesus auferstanden sei. Sogar die engsten Jünger waren skeptisch.
Das hatte schon vor Ostern angefangen. Sie waren misstrauisch, wo die Auferstehung konkret werden sollte. So war es zum Beispiel in Betanien, als Lazarus gestorben war. Jesus sagt seiner Schwester Marta, dass Lazarus auferstehen wird. Ja, sagt sie, ich weiß, dass er auferstehen wird am Jüngsten Tag. Jesus korrigiert sie: Nicht erst dann. Sondern die Auferstehung hängt mit mir zusammen. Ich bin die Auferstehung und das Leben...
Und so hängt auch die Verheißung, die Gott durch Jesaja gegeben hat, mit Jesus zusammen. Auf diesem Berg in Jerusalem wird die Hülle von den Völkern weggenommen. Nur durch Jesus wird für uns der Tod weggetan. Die Hülle, ich denke, das ist ein Bild für die Täuschung, in der wir Menschen leben. Es ist die Täuschung, dieses irdische Leben sei das Eigentliche oder das Ganze. Unser Leben, das würde aus den paar Jahrzenten bestehen, die wir hier verbringen. Statt dessen ist dieses irdische Leben nur wie ein Tropfen gegenüber dem Ozean. Das Eigentliche kommt erst noch.
Eben ist Annika Baldauf getauft worden. Ihr ist das Anrecht gegeben worden, mit diesem Jesus zusammenzugehören, der für sie den Tod weggenommen hat, die Tür ins ewige Leben aufgestoßen hat. Wir würden nicht in seinem Namen taufen, wenn die Auferstehung eine allgemeine Wahrheit wäre, sozusagen ein Naturgesetz. Aber wir taufen auf seinen Befehl hin, weil nur er dieses Leben bringt.
Unsere menschlichen Erfahrungen zeigen uns nur den kleinen Abschnitt zwischen unserer Geburt und dem Tod, der auf uns wartet. Aber die Bibel verbindet mit dem Tod mehr als nur einen biologischen Vorgang. Der Tod ist die Quittung für unsere Gottesferne, für unsere Schuld. Wir passen nicht in die Welt Gottes. Der Tod ist der Sünde Sold.
Mit seiner Auferstehung hat Jesus auch den Fluch unserer Gottesferne weggenommen. Ja, in seiner Auferstehung bestätigt Gott, was am Karfreitag geschehen ist. Unsere Sünde ist hinweggetan. Wir dürfen Gemeinschaft haben mit dem ewigen Gott.
Aus diesem Glauben haben Menschen ungeahnte Kräfte bekommen. Sie konnten Schweres in ihrem Leben hinnehmen. So konnte Dietrich Bonhoeffer im KZ unter der Bedrohung des Todes den andern Häftlingen seinen Glauben bezeugen. Sie haben es aber nicht nur gehört, sondern auch in seiner ganzen Haltung erlebt. Das hat viele aufgerichtet und auch den Zugang zum Glauben neu oder erneut geöffnet.
Weil wir Christen wissen, dass die Auferstehung auf uns wartet, deshalb müssen nicht alle Wünsche in unserem Leben in Erfüllung gehen. Wir können mit vielen vorläufigen Dingen zurechtkommen; vor allem mit unseren eigenen Fehlern und mit denen unserer Mitmenschen. Gott wird abwischen alle Tränen von allen Angesichtern. Das ist im Neuen Testament in der Offenbarung noch einmal wiederholt. Als Bestätigung und Bekräftigung. Was Gott sich einst vorgenommen hat, das hat sich in der Auferstehung Jesu teilweise erfüllt. Menschen, die vorher in tiefer Trauer waren, wurden getröstet. Aber das wird sich auch erst recht dann erfüllen, wenn er seine ewige Welt endgültig herbeigeführt hat. Denn dann werden wir das schauen, was wir hier geglaubt haben. Amen.