Jesaja 43,19 - Jahreslosung 2007

21.1.2007 - Domino
Micha Frick

 

1. Einleitung:

 

Der Ausbruch war gewaltig. Ein heftiger Vulkanausbruch sprengte am 18. Mai 1980 den 400 Meter hohen Gipfel des Berges Mount St. Helen im Bundesstaat Washington weg. 300 Meter schwappte damals die Flutwelle aus dem nahe gelegenen Lake Spirit die Berghänge hinauf. Heiße Gase aus dem Erdinneren entluden sich und ließen Tausende mächtige Bäume wie Streichhölzer umknicken. Die Druckwelle war so gewaltig, dass die Bäume nahe des Hanges nicht nur entwurzelt, sondern auch fortgerissen wurden. Ein Teil der Steinlawine und Tausende Baumstämme stürzten in den Bergsee. In Sekundenschnelle schmolzen Eis und Schnee und eine Schlammlawine floss mit hoher Geschwindigkeit ins Tal. Augenzeugen glaubten der, Atomkrieg sei ausgebrochen. Sie erinnern sich daran, dass der Berggipfel in einer doppelten Welle aus Geröll und Bäumen den Hang heruntergekommen ist. Es ging alles so schnell. Obwohl die Gegend evakuiert worden war, starben 57 Menschen und Tausende Tiere. Die blühende Berglandschaft war jetzt eine Stein- und Aschewüste. Das war das Ende. Oder doch nicht?

 

2. Die Jahreslosung – geschichtlich einordnen

 

Siehe,

ich will ein Neues schaffen,

jetzt wächst es auf,

erkennt ihr´s denn nicht?

 

Jesaja 43,19

 

Was will Gott der Christenheit heute mit diesem Vers sagen? Was will er seiner weltweiten Gemeinde und uns persönlich sagen, dass er ihr und uns eine Frage mit auf den Weg für dieses Jahr gibt?

 

Das Wort stammt aus dem Propheten Jesaja, dem wohl wichtigsten Prophetenbuch des AT. Kein andere Prophet wird so oft namentlich im NT zitiert wie er (22x). Jesaja lebte zwischen dem 8-7.Jh.vor Chr., er wirkte mehr als 50 Jahre lang (739-681). Hautnah erlebte er, wie das Nordreich 722 v. Chr. vom assyrischen König Salmanasser in Gefangenschaft geführt wurde und auch das Südreich bedrohte. Dem Kirchenvater Justin zufolge soll Jesaja am Ende seines Lebens vom judäischen König Manasse in zwei Teile zersägt worden sein.

 

Das Buch Jesaja hat nach dem 39.Kapitel inhaltlich einen großen Einschnitt. Während in Kapitel 39 noch König Hiskia darüber beruhigt ist, dass die angekündigte Bedrohung und Deportation durch die Babylonier erst nach seinem Tode erfolgen wird, blicken und reden die nächsten Kapitel so, als sei diese Verschleppung schon erfolgt: Ab Kapitel 40 ist das Volk bereits in babylonischer Gefangenschaft. Der Tempel ist zerstört, der Reichtum ist dahin, das Land ist geraubt, die Leute sind verschleppt und die Familien sind zerrissen. Keine Hoffnung, Keine Perspektive, Keine Zukunft. Das  Ende.

Oder doch nicht? Tatsächlich kündigt JHWH, der Erlöser, der Heilige Israels Befreiung und Heil an, prophezeit das Ende der Gefangenschaft und das Ende der Babylonier. Doch die Verheißungen reichen noch weit darüber hinaus. Gott sagt voraus, dass er das Volk auch von allen seinen Sünden befreien wird und spricht später von einem Friedensreich, auf das wir auch heute noch, nach weit mehr als 2500 Jahre warten.

Aus diesem Bündel von Verheißungen, die dem Volk Israel damals zugesprochen wurden, ist also unsere Jahreslosung entnommen. Der Vers davor heißt:

[Folie] Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!

Denn siehe,

ich will ein Neues schaffen,

jetzt wächst es auf,

erkennt ihr´s denn nicht?

 

3. Die Jahreslosung – inhaltlich untersuchen

 

Normalerweise soll man doch an das Frühere denken und sich Vergangenes vor Augen halten. In der Schule kämpft man als Lehrer beständig gegen das Vergessen und erinnert an das, was schon war! Aber hier im Vers nicht. Da ist es anders.

 

Gott sagt: Ich will ein Neues schaffen. Ich will Neues wirken und tun.

Gott will. So beginnt es. Nicht mit unserem Willen oder unserem Beschluss, sondern mit Gottes Willen und Gottes Beschluss. Wenn er nicht will, geht nichts.

Aber er will ja, deshalb sieht es so gut aus für das Volk und dessen Zukunft.

 

Er will ein Neues schaffen. „Ein Neues“ – etwas, das so noch nicht da war. Im Kontext ist die Rede davon, dass Gott einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde schaffen will. Möglicherweise wird hier der erste Exodus (Auszug) aus Ägypten mit dem zweiten aus Babylon verglichen. Beim ersten Auszug musste das Volk durch das Meer, das sich teilte, so dass sie trockenen Fußes hindurchkamen und nicht ertranken,  beim zweiten durch die Wüste, die mit Wasser angefüllt wird, so dass sie auf dem Heimweg nicht verdursten.

Und wo Wasser ist, da können auch Pflanzen wachsen – mitten in der Wüste.

Das Neue ist in der Tat etwas, das es so noch nicht gegeben hat.

 

Gott sagt: „Jetzt wächst es auf“. Das Neue selbst, was auch immer es ist, ist noch nicht da, sondern liegt noch in der Zukunft. Aber es ist schon im Begriff zu wachsen, die Vorzeichen sind jetzt schon sichtbar und wahrnehmbar. Wie bei einem Baum , dessen Sprösslinge , wenn man genau hinschaut, sichtbar sind.

Auf diesem Bild hier kann man so etwas sehen, wie aus einem alten, einst mächtigen Baum, der dann gefällt wurde, Neues herauswächst. Bis dies ein mächtiger Baum wird, vergehen viele Jahre und Jahrzehnte. Aber dass da Neues heranwächst, kann man jetzt schon sehen! Vielleicht hatte Gott dieses Bild im Sinn, als er so redete.

 

Und dann stellt Gott seinem Volk eine Frage:

Erkennt ihr es denn nicht?

Erkennt ihr nicht, dass ich im Begriff bin, Neues zu tun?

Es ist eine rhetorische Frage. Denn ganz offensichtlich erkennen es die Angesprochenen nicht, sie sehen nicht, dass es jetzt schon aufwächst.

 

Warum nicht? Was ist es, dass sie nicht erkennen und sehen lässt, was Gott dort schafft? Ist ihr Blick so sehr auf das Vergangene gerichtet, dass sie innerlich blockiert und daher blind sind? Das kann ja zweierlei bedeuten:

  1. Sie sehen so sehr auf den Zerbruch, das geraubte Land, die verlorene Freiheit, den zerstörten Tempel, sie sind so in Trauer und Klage, dass sie nicht sehen, was jetzt gerade um sie herum passiert.
  2. Aber es kann auch etwas zweites bedeuten: Sie sind so sehr auf eine bestimmte Art des Handelns Gottes fixiert, dass sie ihm keine neue, so ganz andere Art des Befreiens zutrauen. Gott kann nicht nur trocken durch das Meer führen, sondern hat auch andere Wege der Befreiung.

 

  1. Die Jahreslosung - Auslegung für heute

 

Was bedeutet dieser Vers für uns heute? Dabei wollen wir unseren Blick zuerst weg von uns ganz individuell richten. Allzu schnell tendieren wir dazu, die Jahresverse nur für uns persönlich auszulegen, aber der Vers ist ja der Kirche als Ganzes gegeben. Der Persönliche kommt auch noch, steht jetzt aber hinten an.

 

Drei Fragen:

Was ist das Neue?

Was wächst jetzt schon auf?

Warum erkennen wir es nicht?

 

Also: Was will Gott der Christenheit heute mit diesem Vers sagen? Vor allem den Christen in der westlichen Welt.

Was ist es, das Gott heute aufwachsen lässt und wir nicht erkennen?

Sind es wir Christen in Europa den USA vielleicht, die nicht sehen, wie Jesus angefangen hat, sein Reich weltweit vor allem in China, Indien, Afrika und Südamerika auszuweiten in einem nie gewesenen Maße? Sind es Bewegungen und Strömungen, für die wir vielleicht blind sind, weil wir zu fixiert sind auf diese eine Weise, wie Gott in der Vergangenheit gehandelt und gewirkt hat? Sind wir blockiert im Inneren und sehen nicht das, was schon jetzt wächst?

Haben wir die verfolgte Kirche im Blick, die weltweit nach Gebetsunterstützung ruft und bittet?

 

Was will Gott der Gemeinde in Wilhelmsdorf sagen?

Wir haben ja ein ganz besonderes Jahreslos mit Psalm 55,23a, der auch im Betsaal hängt: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen.“

Dennoch: Was hat die Jahreslosung aus Jesaja für uns in Wilhelmsdorf zu bedeuten? Gibt es auch hier etwas, was Gott neu machen möchte, sind es Dinge, die er schon jetzt wachsen lässt und die sichtbar sind?

Vielleicht im Kindergottesdienst? Vielleicht im Jugendgottesdienst, bei den Konfirmanden? Vielleicht außerhalb unserer Gemeinde durch eine andere Gemeinde oder andere Christen?

Erkennen wir es nicht? Wodurch sind wir blockiert?

 

Und schließlich: Was will Gott Ihnen, was will Gott dir ganz persönlich sagen?

Gibt es in deinem Leben Dinge, die zerbrochen sind, meinst du am Ende zu sein ohne Hoffnung, ohne Perspektive, ohne Zukunft?

Gott will auch in deinem Leben Neues wirken, egal, ob der Zerbruch, in dem du bist, verschuldet oder unverschuldet bist, denn das Volk damals hatte sich selbst in diese miese Lage durch ständigen Ungehorsam gebracht. Gott sagt sogar, dass sie ihm mit ihren Sünden Arbeit und Mühe gemacht haben. Aber er sagt auch, dass er nicht um ihretwillen, sondern um seinetwillen die Sünden tilgen wird (Jes. 43, 24f).

Es muss nicht selbst verschuldet sein, aber es kann durchaus.

Es kann das Ende einer Ehe sein oder auch der Verlust eines lieben Menschen, es kann ein beruflicher oder finanzieller Zerbruch sein.

 

Markus Watter wird nun nach vorne kommen und Auszüge aus dem Brief eines Bekannten vorlesen, der so einen Zerbruch erlebt hat.

[Markus Watter]

 

Mich hat dieser Brief sehr betroffen gemacht. Ich hab ihn vor einer Woche gelesen und es ging mir echt unter die Haut. Das ist wirklich so ein persönlicher Vulkanausbruch mit all den Zerstörungen.

 

Ich bin im Staate Washington persönlich gewesen und habe den Berg und seinen Krater gesehen. Heute ist es ein ganz anderes Bild:

Schauen Sie: Heute ist Neues gewachsen. Die Biologen wundern sich, wie schnell die Pflanzen und die Tiere zurückkehrten und sich Lebensraum zurück eroberten. Tatsächlich konnten die kleinen Sprösslinge erst deshalb so gut gedeihen, weil die großen Bäume gefällt und als tote Baumstämme sogar Nährstoffe boten.

 

Es gibt sogar Hirschrudel, die durch diese Regionen ziehen.

Wo einst nur Asche war, wuchs nach nur 5 Jahren Neues heran. [Bilder]

 

Im At gibt es eine Geschichte mit einem Mann namens Bileam, der von den Feinden des Volkes Israel mit Geld dazu gebracht werden sollte, das Volk Israel zu verfluchen. Aber Gott verbot es ihm, sondern trug ihm auf, das Volk zu segnen. Mose erinnert das Volk daran und sagt:

„Der Herr, dein Gott, wandelte dir den Fluch in Segen um, weil dich der Herr, dein Gott, lieb hatte.“  (5.Mose 23,6)

 

Gott vermag Fluch in Segen zu verwandeln. Auch in deinem Leben!

Geh mit seinem Segen in das Neue Jahr.

 

Das möchten wir auch anbieten.

Gott sagte einmal zu Abraham: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. (Gen 12) Wir selbst dürfen uns unter den guten Segen unseres Gottes stellen. Das ist keine Magie. Vielleicht könnte man es so formulieren: Gottes Segen heißt: Gottes gelingendes Ja über deinem Leben.

 

Wir wollen gleich mit einigen Liedern Gott anbeten. Während des Lobpreises gibt es die Möglichkeit sich segnen zu lassen. Hinten und vorne stehen zwei Mitarbeiter, bereit, sie ganz persönlich zu segnen und Ihnen Gottes Segen zuzusprechen. Es geht nicht um Seelsorge. Es geht nicht um lange Gespräche, sondern Sie können kommen und ihr Anliegen nennen und dann wird für sie gebetet. Vielleicht kommen Sie für sich selbst, vielleicht auch für jmd anderen. Gottes Segen ist für uns alle gedacht.

 

Impressum