Jesaja 43,19 - Jahreslosung 2007
1.
Einleitung:
Der Ausbruch war
gewaltig. Ein heftiger Vulkanausbruch sprengte am 18. Mai 1980 den 400 Meter
hohen Gipfel des Berges Mount St. Helen im Bundesstaat Washington weg. 300 Meter
schwappte damals die Flutwelle aus dem nahe gelegenen Lake Spirit die Berghänge
hinauf. Heiße Gase aus dem Erdinneren entluden sich und ließen Tausende mächtige
Bäume wie Streichhölzer umknicken. Die Druckwelle war so gewaltig, dass die
Bäume nahe des Hanges nicht nur entwurzelt, sondern auch fortgerissen wurden.
Ein Teil der Steinlawine und Tausende Baumstämme stürzten in den Bergsee. In
Sekundenschnelle schmolzen Eis und Schnee und eine Schlammlawine floss mit hoher
Geschwindigkeit ins Tal. Augenzeugen glaubten der, Atomkrieg sei ausgebrochen.
Sie erinnern sich daran, dass der Berggipfel in einer doppelten Welle aus Geröll
und Bäumen den Hang heruntergekommen ist. Es ging alles so schnell. Obwohl die
Gegend evakuiert worden war, starben 57 Menschen und Tausende Tiere. Die
blühende Berglandschaft war jetzt eine Stein- und Aschewüste. Das war das Ende.
Oder doch nicht?
2. Die
Jahreslosung – geschichtlich einordnen
Siehe,
ich
will ein Neues schaffen,
jetzt
wächst es auf,
erkennt ihr´s denn
nicht?
Jesaja 43,19
Was will Gott der
Christenheit heute mit diesem Vers sagen? Was will er seiner weltweiten Gemeinde
und uns persönlich sagen, dass er ihr und uns eine Frage mit auf den Weg
für dieses Jahr gibt?
Das Wort stammt aus dem
Propheten Jesaja, dem wohl wichtigsten Prophetenbuch des AT. Kein andere Prophet
wird so oft namentlich im NT zitiert wie er (22x). Jesaja lebte zwischen dem
8-7.Jh.vor Chr., er wirkte mehr als 50 Jahre lang (739-681). Hautnah erlebte er,
wie das Nordreich 722 v. Chr. vom assyrischen König Salmanasser in
Gefangenschaft geführt wurde und auch das Südreich bedrohte. Dem Kirchenvater
Justin zufolge soll Jesaja am Ende seines Lebens vom judäischen König Manasse in
zwei Teile zersägt worden sein.
Das Buch Jesaja hat nach
dem 39.Kapitel inhaltlich einen großen Einschnitt. Während in Kapitel 39 noch
König Hiskia darüber beruhigt ist, dass die angekündigte Bedrohung und
Deportation durch die Babylonier erst nach seinem Tode erfolgen wird, blicken
und reden die nächsten Kapitel so, als sei diese Verschleppung schon erfolgt: Ab
Kapitel 40 ist das Volk bereits in babylonischer Gefangenschaft. Der
Tempel ist zerstört, der Reichtum ist dahin, das Land ist geraubt, die Leute
sind verschleppt und die Familien sind zerrissen. Keine Hoffnung, Keine
Perspektive, Keine Zukunft. Das
Ende.
Oder doch nicht?
Tatsächlich kündigt JHWH, der Erlöser, der Heilige Israels Befreiung und Heil
an, prophezeit das Ende der Gefangenschaft und das Ende der Babylonier. Doch die
Verheißungen reichen noch weit darüber hinaus. Gott sagt voraus, dass er das
Volk auch von allen seinen Sünden befreien wird und spricht später von einem
Friedensreich, auf das wir auch heute noch, nach weit mehr als 2500 Jahre
warten.
Aus diesem Bündel von
Verheißungen, die dem Volk Israel damals zugesprochen wurden, ist also unsere
Jahreslosung entnommen. Der Vers davor heißt:
[Folie] Gedenkt nicht an
das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!
Denn
siehe,
ich will ein Neues
schaffen,
jetzt wächst es
auf,
erkennt ihr´s denn
nicht?
3. Die Jahreslosung –
inhaltlich untersuchen
Normalerweise soll
man doch an das Frühere denken und sich Vergangenes vor Augen halten. In der
Schule kämpft man als Lehrer beständig gegen das Vergessen und erinnert an das,
was schon war! Aber hier im Vers nicht. Da ist es anders.
Gott sagt: Ich will ein
Neues schaffen. Ich will Neues wirken und tun.
Gott will. So beginnt es. Nicht
mit unserem Willen oder unserem Beschluss, sondern mit Gottes Willen und Gottes
Beschluss. Wenn er nicht will, geht nichts.
Aber er will ja, deshalb
sieht es so gut aus für das Volk und dessen Zukunft.
Er will ein Neues
schaffen. „Ein Neues“ – etwas, das so noch nicht da war. Im Kontext ist die Rede
davon, dass Gott einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde schaffen
will. Möglicherweise wird hier der erste Exodus (Auszug) aus Ägypten mit dem
zweiten aus Babylon verglichen. Beim ersten Auszug musste das Volk durch das
Meer, das sich teilte, so dass sie trockenen Fußes hindurchkamen und nicht
ertranken, beim zweiten durch die
Wüste, die mit Wasser angefüllt wird, so dass sie auf dem Heimweg nicht
verdursten.
Und wo Wasser ist, da
können auch Pflanzen wachsen – mitten in der Wüste.
Das Neue ist in der Tat
etwas, das es so noch nicht gegeben hat.
Gott sagt: „Jetzt
wächst es auf“. Das Neue selbst, was auch immer es ist, ist noch nicht da,
sondern liegt noch in der Zukunft. Aber es ist schon im Begriff zu wachsen, die
Vorzeichen sind jetzt schon sichtbar und wahrnehmbar. Wie bei einem Baum ,
dessen Sprösslinge , wenn man genau hinschaut, sichtbar sind.
Auf diesem Bild hier kann
man so etwas sehen, wie aus einem alten, einst mächtigen Baum, der dann gefällt
wurde, Neues herauswächst. Bis dies ein mächtiger Baum wird, vergehen viele
Jahre und Jahrzehnte. Aber dass da Neues heranwächst, kann man jetzt schon
sehen! Vielleicht hatte Gott dieses Bild im Sinn, als er so redete.
Und dann stellt Gott
seinem Volk eine Frage:
Erkennt ihr es denn
nicht?
Erkennt ihr nicht, dass
ich im Begriff bin, Neues zu tun?
Es ist eine rhetorische
Frage. Denn ganz offensichtlich erkennen es die Angesprochenen nicht, sie sehen
nicht, dass es jetzt schon aufwächst.
Warum nicht? Was ist es,
dass sie nicht erkennen und sehen lässt, was Gott dort schafft? Ist ihr Blick so
sehr auf das Vergangene gerichtet, dass sie innerlich blockiert und daher blind
sind? Das kann ja zweierlei bedeuten:
Was bedeutet dieser Vers
für uns heute? Dabei wollen wir unseren Blick zuerst weg von uns ganz
individuell richten. Allzu schnell tendieren wir dazu, die Jahresverse nur für
uns persönlich auszulegen, aber der Vers ist ja der Kirche als Ganzes gegeben.
Der Persönliche kommt auch noch, steht jetzt aber hinten
an.
Drei
Fragen:
Was ist das
Neue?
Was wächst jetzt schon
auf?
Warum erkennen wir es
nicht?
Also: Was will Gott
der Christenheit heute mit diesem Vers sagen? Vor allem den Christen in der
westlichen Welt.
Was ist es, das Gott
heute aufwachsen lässt und wir nicht erkennen?
Sind es wir Christen in
Europa den USA vielleicht, die nicht sehen, wie Jesus angefangen hat, sein Reich
weltweit vor allem in China, Indien, Afrika und Südamerika auszuweiten in einem
nie gewesenen Maße? Sind es Bewegungen und Strömungen, für die wir vielleicht
blind sind, weil wir zu fixiert sind auf diese eine Weise, wie Gott in der
Vergangenheit gehandelt und gewirkt hat? Sind wir blockiert im Inneren und sehen
nicht das, was schon jetzt wächst?
Haben wir die verfolgte
Kirche im Blick, die weltweit nach Gebetsunterstützung ruft und
bittet?
Was will Gott der
Gemeinde in Wilhelmsdorf sagen?
Wir haben ja ein ganz
besonderes Jahreslos mit Psalm 55,23a, der auch im Betsaal hängt: „Wirf dein
Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen.“
Dennoch: Was hat die
Jahreslosung aus Jesaja für uns in Wilhelmsdorf zu bedeuten? Gibt es auch hier
etwas, was Gott neu machen möchte, sind es Dinge, die er schon jetzt wachsen
lässt und die sichtbar sind?
Vielleicht im
Kindergottesdienst? Vielleicht im Jugendgottesdienst, bei den Konfirmanden?
Vielleicht außerhalb unserer Gemeinde durch eine andere Gemeinde oder andere
Christen?
Erkennen wir es nicht?
Wodurch sind wir blockiert?
Und schließlich: Was will
Gott Ihnen, was will Gott dir ganz persönlich sagen?
Gibt es in deinem Leben
Dinge, die zerbrochen sind, meinst du am Ende zu sein ohne Hoffnung, ohne
Perspektive, ohne Zukunft?
Gott will auch in deinem
Leben Neues wirken, egal, ob der Zerbruch, in dem du bist, verschuldet oder
unverschuldet bist, denn das Volk damals hatte sich selbst in diese miese Lage
durch ständigen Ungehorsam gebracht. Gott sagt sogar, dass sie ihm mit ihren
Sünden Arbeit und Mühe gemacht haben. Aber er sagt auch, dass er nicht um
ihretwillen, sondern um seinetwillen die Sünden tilgen wird (Jes. 43, 24f).
Es muss nicht selbst
verschuldet sein, aber es kann durchaus.
Es kann das Ende einer
Ehe sein oder auch der Verlust eines lieben Menschen, es kann ein beruflicher
oder finanzieller Zerbruch sein.
Markus Watter wird nun
nach vorne kommen und Auszüge aus dem Brief eines Bekannten vorlesen, der so
einen Zerbruch erlebt hat.
[Markus
Watter]
Mich hat dieser Brief
sehr betroffen gemacht. Ich hab ihn vor einer Woche gelesen und es ging mir echt
unter die Haut. Das ist wirklich so ein persönlicher Vulkanausbruch mit all den
Zerstörungen.
Ich bin im Staate
Washington persönlich gewesen und habe den Berg und seinen Krater gesehen. Heute
ist es ein ganz anderes Bild:
Schauen Sie: Heute ist
Neues gewachsen. Die Biologen wundern sich, wie schnell die Pflanzen und die
Tiere zurückkehrten und sich Lebensraum zurück eroberten. Tatsächlich konnten
die kleinen Sprösslinge erst deshalb so gut gedeihen, weil die großen Bäume
gefällt und als tote Baumstämme sogar Nährstoffe boten.
Es gibt sogar
Hirschrudel, die durch diese Regionen ziehen.
Wo einst nur Asche war,
wuchs nach nur 5 Jahren Neues heran. [Bilder]
Im At gibt es eine
Geschichte mit einem Mann namens Bileam, der von den Feinden des Volkes Israel
mit Geld dazu gebracht werden sollte, das Volk Israel zu verfluchen. Aber Gott
verbot es ihm, sondern trug ihm auf, das Volk zu segnen. Mose erinnert das Volk
daran und sagt:
„Der Herr, dein Gott, wandelte dir den Fluch in Segen
um, weil dich der Herr, dein Gott, lieb hatte.“ (5.Mose 23,6)
Gott vermag Fluch in
Segen zu verwandeln. Auch in deinem Leben!