Warum ich glaube


Regina Beyrich

Warum glaube ich eigentlich? Diese Frage habe ich mir vor einigen Jahren immer wieder gestellt. Nach den ersten Berufsjahren war mein Glaube nur noch ein dünnes Rinnsal, etwas, woran ich mich schon noch irgendwie festhielt, aber was mit meinem Alltag nicht mehr viel zu tun hatte. In Diskussionen mit meinen Kollegen habe ich zwar immer noch „die Kirche an sich“ verteidigt- aber die Frage, warum ich glaube, konnte ich vor anderen und vor mir nicht mehr ehrlich beantworten und wollte es auch nicht mehr.

Glücklicherweise fand ich Menschen, die mich dazu ermutigten, nicht mehr leere Hüllen zu verteidigen, sondern mich mit diesem Unglauben wahr sein zu lassen und mich auch genau damit an Gott zu wenden. Es war eine längere Zeit des Fragens und des Wartens, die ich aber ehrlicher, befreiender fand als die Zeit des so Dahindümpelns oder irgendwie glauben müssen.

„Und wenn du nicht beten kannst, so sage es Gott und siehe du betest schon...“(Luther), oder „schüttet euer Herz vor mir aus, liebe Leute...“ (Psalm 62), diese Zitate erleichterten es mir, vor Gott etwas durchzudenken und mit meinem ganz normalen Leben zu verbinden.
Gleichzeitig merkte ich auch, dass ich diesen Gott lieber etwas auf Distanz hielt,

einiges an kindlichem Vertrauen war sicher auch durch schwierige Erfahrungen verloren gegangen.

Neben dem Beten in Form von „einfach das Herz ausschütten“, oder Gedanken sortieren im Schreiben, haben ich Zugang zu den Psalmen gefunden , eben weil sie so deftig und direkt sind in der Klage und in der Freude.

Und so ist langsam wieder Glaube gewachsen, der in meinem täglichen Leben seinen Platz hat, so dass ich wage zu sagen ich glaube- an Gott den Schöpfer und bin dankbar für mein Leben, ich glaube an Jesus Christus der Neuanfang schenkt und an den Heiligen Geist, der tröstet und rät.

Ich bin den Menschen dankbar, die mir kein perfektes Leben, sondern ein ehrliches, fragendes, vergebendes, glaubendes, im Alltag sein vorleben und mich dazu ermutigen.

Gerne hätte ich ,dass alles schön und heil wäre, eben ein rosa Wunschtraum- aber das wird ja nirgends versprochen und das wäre auch nicht das Leben! Aber ich bin froh, dass es immer wieder farbig aufleuchtet, wenn sich Gedanken und Situationen verändern und ich merke, dass Gott da ist.

Regina Beyrich

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