Hauskreise


Dezember 2005

Nehmet einander an - leichter gesagt als getan
(kurze Zusammenfassung des "Hauskreisabends")

 

Übersicht:
1) Versuch einer Definition
2) Bibelzitate
3) Ein biologischer Erklärungsversuch
4) Eine theologische Betrachtung
5) Einige abschließende Anstöße

 

1) Versuch einer Definition
Das Brockhauslexikon erläutert unter dem Begriff „annehmen“:
„etwas in Besitz nehmen“, unter dem Begriff „Akzeptanz“
„von lat. „acceptare“, annehmen, sich gefallen lassen; Die bejahende oder tolerierende Einstellung von Personen gegenüber…; Ein Verhalten und Handeln, in dem diese Haltung zum Ausdruck kommt“

Im „Lexikon zur Bibel“ (Fritz Rienecker 1977) findet sich keine Erklärung hierzu.
Im griechischen Urtext steht für den Begriff „annehmen“ das Wort „proslambaneste“. Dies meint „etwas oder jemanden ohne inneren Vorbehalt aufnehmen (trotz unterschiedlicher Voraussetzungen)“

Von gegenseitiger Annahme zu sprechen erfordert deshalb zunächst die Klärung was man unter „Annahme“ eigentlich zu verstehen hat. Erfolgt diese Klärung nicht, führt das in den meisten Fällen zwangsläufig zu Missverständnissen und exakt zu dem, was man vermeiden möchte, nämlich zu „Nicht-Annahme“.

2) Bibelzitate
Biblische Texte, die das Ziel gegenseitiger Annahme im Zentrum haben gibt es zur Genüge:

 

Dies ist nur eine kleine Auswahl einer unendlichen Fülle an Texten, in denen es um den Umgang miteinander geht.
Besonders in Johannes 13, 5ff zeigt uns Jesus ein Beispiel wie das aussehen kann. Diese Textstelle scheint mir überhaupt eine der Schlüsselstellen zu sein, auf deren Grundlage Gemeinde Jesu existiert.
Jesus selbst nimmt seine Jünger an und dokumentiert dies u.a. dadurch, dass er Ihnen die Füße wäscht. Er wäscht ihnen nicht zuerst den Kopf. Er ist nicht der Kritiker und Nörgler, der kritisiert was zu kritisieren ist – und das war eine Menge – nein, er wäscht die Füße. Man könnte auch sagen: Er richtet – aber Er richtet auf! So nimmt Er an.

 

3) Ein biologischer Erklärungsversuch
Ein Exkurs in die Biologie soll helfen, natürliche Annahme- und Ablehnungsvorgänge verständlich zu machen:

Der menschliche Körper ist in seiner hoch komplizierten und genialen Art außerordentlich verletzlich und gefährdet.
Bei Krankheitsereignissen erfahren wir dies immer wieder, teilweise sehr schmerzlich.
Viele unserer älteren Mitmenschen kennen noch die Epidemien, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts auch Deutschland heimgesucht haben – Diphtherie, Kinderlähmung, Mumps …! Heute verbreiten Aids und Krebserkrankungen ihre Schrecken.
Krankheiten, die häufig damit einhergehen, dass die Immunabwehr nicht mehr funktioniert.

Unsere Körperzellen sind auf die Aufnahme lebenswichtiger Stoffe, wie Mineralstoffe, Sauerstoff, Kohlenhydrate u.a. angewiesen. Giftstoffe und Krankheitserreger müssen sie dagegen abwehren können.
Dafür besitzen sie Einrichtungen, die in der Lage sein müssen notwendige und schädliche Stoffe voneinander zu unterscheiden. Das heißt, dass die Aufnahme oder die Annahme eine vernünftige Prüfung und Abwehr zwingend erforderlich macht.
Die Verletzlichkeit des Körpers zwingt ihn also zu einer Fülle von Schutz- und Abwehrmechanismen. Wohl dem, dessen Abwehr intakt ist.

Erst die Balance zwischen Abwehr und Annahme ermöglicht – in biologischem Sinne – das Leben.
Beide sind deshalb von so großer Bedeutung und Wichtigkeit, dass es einer Zerstörung gleich käme, wollte man ohne einen dieser beiden Körperprozesse langfristig überleben.
Abwehr ohne Annahme funktioniert genauso wenig, wie Annahme ohne Abwehr.
In Extremsituationen kommt es vor, dass mittels Medikamenten die Abwehr außer Kraft gesetzt werden muss. Dann ist die Annahme wichtiger als die Abwehr (z.B. bei Transplantationen).

 

4) Eine theologische Betrachtung
Römer 12, 3-5
Die Gemeinde Jesu ist mit einem Leib vergleichbar.
Dies führt dazu, dass es in diesem Leib dieselben Prozesse gibt, wie sie auch im natürlichen Leibe vorkommen.
Abwehr zum Schutz und Annahme zur weiteren Entwicklung.
Wenn Paulus von einem Leibe spricht, dann kann er diesen Inhalt zum Ziel haben. Er macht uns bewusst, dass wir in aller unserer Verschiedenheit zu ein und demselben Organismus gehören. Dieser Organismus lebt und funktioniert nur in Folge eines gut funktionierenden Abwehr- Annahmesystems.

Allerdings gibt es nun eine wesentliche Besonderheit:
Die verschiedenen Glieder dieses Leibes passen natürlicherweise nicht wirklich zusammen. Sie können sich eigentlich nicht annehmen und müssen sich – zum eigenen Schutz – gegenseitig abwehren.

Paulus weist auf den wichtigsten „Faktor“ hin, der erst die gegenseitige Annahme der vielen verschiedenen Glieder ermöglich: Jesus Christus selber.
"...wie Christus euch angenommen hat"
In Ihm allein kann der geistliche Leib, sprich die Gemeinde Jesu existieren. Um Ihn muss sie sich deshalb mühen. Ohne Ihn zerfällt der Leib!

 

5) Einige abschließende Anstöße:
Ob wir Abwehr künftig als Geschenk betrachten könnten?
Ob wir die Fähigkeit jemanden annehmen zu können auch als Geschenk und Gabe betrachten könnten?

Dietrich Bonhoeffer sagt:
„Seelische Liebe liebt den Andern um seiner selbst willen, geistliche Liebe liebt den Andern um Christi willen“ (D. Bonhoeffer)

Jesus Christus sagt:
„Solches habe ich mit euch geredet, dass ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“.

Fürchten wir uns nicht – weder vor Annahme noch vor Abwehr. Beides ist wertvoll, beides Geschenk. In Christus hat beides seinen angemessenen Platz.

12/2005


September 2003

Nicht dass die Hauskreise nun Dorfgespräch wären. Nein. Obwohl, wenn man es recht bedenkt, wäre das doch Klasse, wenn sich herumspricht, dass man in den Hauskreisen in Wilhelmsdorf aufgeschlossene Menschen findet, mit denen man sich über Gott und die Welt unterhalten kann. Das ist nach wie vor nicht nur möglich, sondern findet real auch statt.

Die Hauskreise sind im Gespräch - z.B. im Rahmen eines Abends im Frühjahr diesen Jahres, der großen Anklang fand und die Menschen der unterschiedlichen Kreise (derzeit treffen sich in den ca. 10 Kreisen ca. 110 Teilnehmer) miteinander ins Gespräch brachte. Interessierte fanden neue Kontakte und neue Gemeinschaft.

Die Hauskreise sind im Gespräch - z.B. in Vorbereitung des neuen Alpha-Kurses. Hier greifen einzelne Hauskreise tatkräftig dem Organisationsteam unter die Arme und stehen bereit für neue Beziehungen.

Die Hauskreise sind im Gespräch mit den Menschen im Ort - und das ist gut so. Denn der Glaube gehört sozusagen nicht abgeschieden ins Wohnzimmer gesperrt. Er gehört unter die Leute. Damit die Gespräche nicht ins Stocken geraten, werden weitere Abende wie der im Frühjahr folgen. Vielleicht klappt es dann mal, dass die Hauskreise Dorfgespräch werden.

Interessenten für die Hauskreise können sich an mich wenden:
Pfarrer Dr. Knauß, 07503 / 91 59 19

09/2003


 

Die Hauskreise sind ein wichtiger Teil der Gemeinde, sozusagen die Urzelle der Gemeinde. Ich gehe dabei von biblischen Vorbildern aus und meine Gemeinde nicht nur im Sinne von einer bestimmten im heutigen Sinne kirchenrechtlich verfassten Gemeinde. Die Gemeinden, die im Neuen Testament beschrieben sind, waren eher Hauskreise, als Gemeinde in unserem heutigen Sinn, sowohl ihrer Größe nach, als auch ihrer Struktur nach. Man muss sich z.B. die von Paulus gegründeten Gemeinden im Neuen Testament bis zu einer Größe von etwa 50 Gemeindegliedern vorstellen.

Sie waren inhaltlich durchaus verschieden. Ferner waren sie jeweils (rechtlich) selbständig und nicht organisatorisch verbunden. Zunächst waren sie lediglich durch den gemeinsamen Apostel verbunden, und hier und da auch durch eine gemeinsame Opfersammlung. Diese Merkmale ähneln stärker den heutigen Hauskreisen als den verfassten Gemeinden und Kirchen.

Die heute bestehenden Hauskreise haben im allgemeinen verschiedene Vorstellungen über ihr Verhältnis zur örtlichen Gemeinde (oder den Gemeinden) und über ihre Leitungsstruktur.

Diese Vorstellungen sollten zur Sprache kommen, damit man sich darüber austauschen kann. Es ist sicher gut, wenn wir das voneinander wissen, soweit es uns selbst klar ist. Es gibt Hauskreise, die sich als relativ geschlossen verstehen. Sie sagen sich etwa folgendes: Wir tun an verschiedenen Stellen in der Gemeinde eine Aufgabe und brauchen einen Ort, an dem wir selbst "geistlich auftanken" können. Andere verstehen sich als missionarischen Hauskreis, vielleicht auch etwas zwischendrin. Beides hat seine Berechtigung.

In der Leitungsstruktur sagen manche, wir machen die Leitung eines Abends reihum und brauchen keinen gesamtverantwortlichen Leiter oder Leiterin. Andere Hauskreise haben eine feste Leitung. Es sollte über die Organisation von Hauskreisen gesprochen werden. Der richtige Ort dazu wäre ein Gesamt-Hauskreistreffen.

Davor aber geht es um eine Bestandsaufnahme, dass wir die Hauskreise gegenseitig wahrnehmen mit ihren jeweiligen Eigenheiten.

In der Gemeinde begegnet uns immer wieder das Interesse an einer persönlichen Beziehung zu einer Gruppe von Christen, um sich über Fragen des Glaubens austauschen zu können. Da entsteht die Frage: Können das Hauskreise machen? Wenn ja, wie?

Aus solchen Beobachtungen entstand die Idee zu den Hauskreistreffen. Zunächst könnte ich mir ein zweifaches Anliegen vorstellen:

1. Stärkung der Hauskreismitglieder.
Man kann in einem großen Treffen auch einmal auswärtige Referenten einladen. Man kann allgemein interessierende Themen ansprechen durch einen Vortrag, eine Bibelarbeit oder aus aktuellen Anlässen in der Gesellschaft oder Kirche und Gemeinde.

2. Klärung des Verhältnisses der Hauskreise im Gemeindeaufbau.
Wo kommen die Hauskreise im Gemeindeaufbau vor? Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, über solche Fragen z.B. auf Hauskreistreffen zu sprechen.

Ihr Pfr. Knauß

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